Auf ein Neues
Juli 6, 2008
Liebe Leute,
am Freitag ist es wieder soweit, ich fliege zurück nach Burundi. Das bedeutet, dass ich meine Erfahrungen und Erlebnisse wieder hier festhalten werde. Ich freue mich wahnsinnig auf diesen Sommer und hoffe, das es euch Freude bereiten wird mich auf diesem Weg über meinen Blog ein bisschen zu begleiten!
Alles Liebe
Nadine
Mein letzter Eintrag
Wir haben zum Abschied letzte Woche mit den Kindern zu Hause Eis gegessen und getanzt. Am nächsten Tag ist Luisa abgeflogen. Wir haben die Gelegenheit genutzt und zusammen etwas zum Abschied für die Kinder gekauft. Das Glück habe ich leider bei den Straßenjungs nicht, deswegen werde ich heute Abend einfach nur gemeinsam mit ihnen essen und mich ganz ruhig verabschieden. Lena und Julia sind letzte Woche angekommen, sie bleiben 4 Wochen. Sie waren vor mir hier und haben mir bei meiner Ankunft geholfen mich einzufinden. Dieses Mal war es an mir ihnen die neuen Heime und meine Arbeit zu zeigen. Wir hatten sogar Glück mit dem Wetter, sodass ich zwei Tage mit ihnen am Strand in der Sonne sein konnte.
Aber natürlich habe ich mich nicht nur ausgeruht. Die letzten tage habe ich weiterhin in Buterere gearbeitet und auch einen behinderten Straßenjungen nach Hause begleitet. Er heißt Evarist und war im Oktober einer der ersten Straßenjung mit denen wir in Kontakt getreten sind. Er ist 18 Jahre alt und wohnt in Bujumbura Rural. Sein Dorf liegt hoc in den Bergen hinter der Stadt. Mit dem Taxi mussten wir 40 Minuten fahren um dann zu Fuß weiter zu gehen. Evarist war einen Monat bei uns im Heim und hat dort die Schneiderausbildung angefangen. Nach Weihnachten ist er allerdings nicht wieder aufgetaucht und ich hatte die Hoffnung ihn wieder zu sehen schon aufgegeben. Vor drei Wochen habe ich ihn dann auf dem Weg in die Stadt wiedergesehen. Ich habe ein wenig mit ihm gequatscht und wir haben uns für den nächsten Tag im Heim verabredet. Da erzählte er mir , dass er jetzt Körbe aus einer Art Schilf herstellt um sie dann an einen festen Kunden in der Stadt zu verkaufen. Das Material kauft er nahe der grenze um Kongo. Ich habe ihn gefragt wie wir ihn unterstützen könnten und wir haben uns darauf geeinigt, dass Verena ihm das Material für zwei Monate bezahlt. Er kann in einem Monat um die 20000 Fbu verdienen wenn es gut läuft. Und da er mit unserer Hilfe reinen Gewinn erzielen kann wird er danach sein kleines Geschäft vergrößern können. Außerdem besteht im Sommer für ihn die Möglichkeit andere Körperbehinderte in Gitega auszubilden und ein festes Gehalt zu bekommen. Das klappt nur wenn Unicef das Projekt unterstützt, deswegen muss er diesbezüglich noch etwas warten. Am Freitag sind wir dann zusammen mit seinem Bruder und Bienvenu zu ihm nach Hause gefahren, um die Materialien dort abzuliefern. Ein weiteres kleines Abenteuer auf meiner Liste. Zunächst einmal ist die Landschaft dort oben so wunderschön das ich nur staunen konnte. Palmen und Bananenfelder soweit das Auge reicht und dann auch noch der Blick auf die Stadt und den Tanganyikasee dahinter. Zu Fuß Sind wir dann in ein Tal hinunter geklettert. Evarist meinte die ganze Zeit „wir sind gleich da, unser Haus ist da vorne“…nach 30 Minuten waren wir dann auch tatsächlich da. Ich konnte nur staunen wie schnell und scheinbar leicht er mit nur einem Bein über Stock und Stein vorankommt. Er lebt mit seiner Mutter und 6 Geschwistern in einer kleinen Hütte am Hang der Berge. Für sich selbst will er bald ein kleines Häuschen unterhalb des Grundstücks der Mutter bauen. Er hat schon eine Fläche geebnet ihm fehlt nun noch das Geld für den Bau. Das Stückchen Land hat er von seiner Mutter geschenkt bekommen. Sie pflanzte dort vorher Bohnen an. Nach einem kurzen Gespräch mit der Familie und Nachbarn haben wir uns auf den Weg zurück gemacht. Der Aufstieg hat uns alle ganz schön geschafft und zu allem Überfluss hat es auch noch angefangen zu regnen. Oben angekommen erwarteten uns nicht so erfreuliche Nachrichten. Einige Mitglieder Rebellengruppe FNL hatten den Taxifahrer angesprochen um Geld von ihm zu kassieren. Dazu muss ich sagen, dass die FNL eigentlich überall um Bujumbura in den Bergen Schutzgelder kassiert von Leuten die dort hochfahren oder dort arbeiten. Auch in Sororezo und in Kajaga muss Verena Geld bezahlen damit sie uns in Ruhe lassen. Es gibt sogar richtige Quittungen über den bezahlten Betrag. Naja dort oben arbeitet Verena aber nicht und deswegen mussten wir bezahlen. Eigentlich bezahlt man, wenn man mit dem Auto kommt 15000 Fbu. Die meinten dann zum Taxifahrer „wenn du nicht bezahlst lassen wir dich mit deinem Muzungu nicht mehr zurück“. Wir haben dann ein bisschen verhandelt und sie haben sich damit zufrieden gegeben, dass wir ihnen ne Cola ausgeben. Naja ich kann mir auch nicht erklären wie das funktioniert hat, aber ist ja auch mal ganz nett. Danach sind wir schnell ins Taxi eingestiegen und haben uns auf den Weg Richtung Buja gemacht. Heute habe ich als Dankeschön von Evarist einen kleinen Korb bekommen, den ich in Deutschland in meine Wohnung stellen kann.
Gestern war ich das letzte Mal in Buterere. Jedenfalls dachte ich es wäre das letzte Mal, aber wir hatten so viel zu tun das ich mir gar nicht vorstellen kann morgen früh nicht wieder hinzufahren. Unter anderem lief die kleine Pamele, die wir letzte Woche nach Hause gebracht haben am Büro vorbei. Sie war völlig apathisch und hat und nicht wieder erkannt. Von ihrer Mutter war keine Spur. Als wir sie regelrecht „eingefangen“ hatten war klar, dass sie wieder gefallen war. Sie hatte eine schlimme Verletzung am Kinn und das ganze Kleid war voll getrocknetem Blut. Ihre Mutter scheint sich absolut nicht zu kümmern. Auf der einen Seite kann ich verstehen, dass sie überfordert ist. Sie hat noch drei andere Kinder und sie arbeitet. Sie kann auch nicht ständig aufpassen dass Pamela in ihrem Wahn wegläuft oder bei einem epileptischen Anfall böse stürzt. Auf der anderen Seite denke ich, muss sie zumindest darauf achten, dass das Kind sauber und versorgt ist. Wir haben dann beschlossen sie wieder mit zunehmen. Im Büro hat sie dann 5 Minuten ruhig gesessen und ist dann von einem neuen Anfall verkrampft vom Stuhl gefallen. Es war das erste Mal für mich so etwas zu sehen, ich habe mich ziemlich machtlos gefühlt. Später hat sie den ganzen Weg zurück im Taxi geschlafen. Heute schon hat sie ständig nach ihrer Mutter gefragt, ich hoffe wir finden eine Lösung ihren Wünschen und ihre Sicherheit gleichermaßen gerecht zu werden.
Es fällt mir im Moment ein bisschen schwer zu schreiben, weil ich so viele Dinge erlebe. Eigentlich bin ich in letzter Zeit fast nur noch mit Bienvenu in Buterere. Dort kümmern wir uns um die Familien die wir mit den Microkrediten unterstützen. Letzte Woche Mittwoch sind wir morgens hingefahren um noch einige Kinder einzuschulen. Als wir ankamen wurden wir von einer älteren Frau angesprochen. Sie teilte uns mit, dass ihr Neffe am Morgen gestorben ist. Sie sprach von dem Jungen der immer vor unserem Büro auf mein Motorrad aufgepasst, die Menschenmengen vor dem Büro zerstreut und kleine Botengänge für uns gemacht hat. Er war etwa 19 Jahre alt. Wir vermuten, dass er aidskrank war, genau wissen wir es aber nicht. Seine Familie ist sehr arm und sie haben uns gebeten einen Sarg und die Beerdigung zu bezahlen. Tja und somit haben wir den Morgen wie schon so oft mit anderen Dingen als geplant verbracht. Alle Vorkehrungen für die Beerdigung treffen und die Familie in ihrem Haus besuchen. Dort haben wir den Jungen dann auch gesehen. Er lag auf einer Strohmatte in einem ansonsten völlig leeren Zimmer. Das gesamte Haus war wie eigentlich alle Gebäude in Buterere bis auf ein paar Habseeligkeiten leer. Manchmal frage ich mich, ob ich ihm, wenn ich früher gewusst hätte wie krank er war, hätte helfen können. Aber selbst wenn ich ihn ins Krankenhaus gebracht hätte, wäre vermutlich jede Hilfe zu spät gekommen. Außerdem sind die Ärzte hier ja oft schon mit den einfachsten Krankheiten überfordert. Nun ja das ist jetzt eine Woche her und seitdem ist schon wieder einiges mehr geschehen.
Wir haben neue Kredite verteilt und neue Kinder aufgenommen. Mit vielen Frauen geredet und viele neue Erfahrungen gesammelt.
Im Heim Uranderera haben wir noch ein neues Baby. Sie sind jetzt zu viert. Ein kleiner Junge von ca. 6 Monaten wurde von seinem Vater zu uns gebracht. Die Mutter hat beide sitzen lassen als der Vater seinen Job verlor. Dieser war mit der Situation völlig überfordert. Er kümmert sich trotzdem weiterhin und besucht seinen Sohn regelmäßig. Außerdem wird er für Verena arbeiten. Er ist Koch und kann unsere großen Straßenjungs ausbilden. Wenn sie fertig sind dürfen sie das Restaurant, das sie eröffnen werden, übernehmen.
Im Heim in der Stadt ist auch viel passiert. Es sind ständig neue Kinder dort, die ich aus Buterere mitbringe. Meistens sind es Kinder die krank sind und die wir bei uns aufpäppeln. Heute haben wir ein kleines Mädchen, ich schätze sie auf 9 Jahre, mitgebracht. Wir haben sie in Buterere vor unserem Büro vorgefunden. Die Nachbarn sagten, ihre Mutter sei auf dem Feld, aber das Kind bräuchte Hilfe. Die kleine leidet angeblich unter Epilepsie und ist wie so viele Kinder hier, die unter dieser Krankheit leiden, ins Feuer gefallen. Ihr ganzes rechtes Bein ist schwer verbrannt. Der Unfall muss schon einige Tage her sein. Die großflächigen Wunden sind schlimm vereitert. Heute Nachmittag haben wir das Mädchen unter großen Schmerzen behandelt. Ich hoffe es wird ihr bald besser gehen. Bevor wir mit ihr zurück in die Stadt gefahren sind haben wir die Frauen in ihren Häusern besucht. Wir wollten kontrollieren, ob sie das Geld für Miete und Türen auch wirklich für diese Sachen ausgegeben haben. Bei zwei Frauen war alles in Ordnung, eine hat das Geld jedoch für Arztkosten ausgegeben. Es ist manchmal nicht leicht den Frauen verständlich zu machen, dass sie zu uns kommen sollen wenn sie krank sind, anstatt viel Geld auszugeben um sich wo anders behandeln zu lassen. Eine Mutter haben wir auch schon auf dem Markt besucht. Ihr Stand läuft gut und sie scheint unsere Finanzielle Hilfe gut angelegt zu haben. Alle bezahlen ihren Kredit auch gewissenhaft zurück. Es ist wirklich schön zu sehen, dass die vielen Gespräche jetzt Früchte tragen.
Natürlich müssen wir auch Rückschläge einstecken. Eine Mama ist wohl irgendwie verrückt geworden (das kann hier viel bedeuten…). Sie ist aufs Land zu ihren Eltern gefahren und hat ihren Mann mit neun Kindern zurückgelassen. Er arbeitet auf einem Feld für jemand anderes und verdient ca. 900 Fbu (etwa 70 Cent) pro Tag. Das ist bei weitem nicht genug um die Familie zu versorgen. Hinzukommt, das sich natürlich auch tagsüber keiner um die Kinder kümmert. Der Jüngste ist 1 Jahr alt. Wir haben heute mit dem Vater gesprochen und wollen ihm helfen, indem wir ihm finanzielle Unterstützung geben und die kleinen Kinder bei uns aufnehmen. Wir werden abwarten müssen wann, bzw. ob die Mutter zurückkommt.
Eine von den Müttern wurde auch von ihrem Mann geschlagen. Eigentlich wohnt er längst nicht mehr mit ihr zusammen, aber als er gehört hat, dass sie Geld bekommen hat stand er auf der Matte. Heute kamen dann die Kinder ins Büro und meinten ihre Mama sei sehr krank. Daraufhin sind wir dann aufgebrochen um sie zu besuchen. Anstatt eine kranke Mama haben wir dann eine verunstaltete Mama vorgefunden. Die ganze rechte Gesichtshälfte war dick angeschwollen und Blutunterlaufen. Gott sei Dank waren an dem besagten Tag die Nachbarinnen aufmerksam und konnten schlimmeres verhindern. Sie haben den Mann, Berichten zu Folge, fast zu Tode geprügelt. Eigentlich wollten sie ihn wohl auch umbringen, aber seine Frau war dagegen. Ja so ist das hier. Gleiches wir mit gleichem vergolten. Da kennen die Menschen keine Gnade. Jetzt sind die Nachbarn böse weil die Frau sie aufgehalten hat und sie sagen, dass sie, wenn noch mal so was ist, nicht mehr helfen wollen.
Oft habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich kaum Zeit mit den Kindern im Heim verbringe, aber ich sage mir, das es ihnen ja schon sehr gut geht und das es andere gibt die sehr viel mehr Hilfe benötigen. Ich weiß, dass die Kids bei uns das nicht so richtig verstehen. Sie machen es einem nicht gerade leicht. Schmollende Gesichter sind da keine Seltenheit. Dafür freuen sie sich umso mehr wenn ich mir dann doch unerwartet die Zeit nehme und mich ein bisschen mit ihnen beschäftige. Tja man kann sich leider nicht vierteilen auch wenn ich das hier zu gerne machen würde.
Morgenfrüh ist endlich mal wieder Kindergarten angesagt, am Montag konnte ich nicht wegen Buterere. Nachmittags werden wir dann wieder Kinder einschulen und vielleicht komme ich ja auch endlich mal wieder dazu zu lernen…
Bis dahin
Eure Nadine
dies und das 2
Januar 21, 2008
Ich weiß es ist mal wieder was länger her das ich mich melde…
Ich bin im Moment ziemlich beschäftigt, weil wir in einem der ärmsten Stadtteile Bujumburas angefangen haben die Microkredite zu verteilen. Außerdem haben wir die Straßenmädchen eingeschult und das Büro in Buterere eingerichtet. Dieses Büro soll eine Anlaufstelle für die Menschen dort sein. So können wir auf der einen Seite verfolgen wie die Frauen mit dem Geld umgehen, das sie von uns bekommen und auf der anderen Seite haben sie immer Ansprechpartner vor Ort.
Gestern haben wir den verregneten Tag für eine Bastelaktion mit den Kindern genutzt. Die Kinder freuen sich immer riesig wenn sie mit Kleber und Scheren arbeiten könne.
Heute Morgen war wieder Kindergartentag in Sororezo. Kerstin und ich sind wie immer mit dem Motorrand hochgefahren. Das ist immer ne Aktion, erstmal sind die Straßen so super schlecht und dann kam uns heute zu allem Überfluss noch ne recht große Herde Kühe entgegen. Slalom um große Steinbrocken und um verschreckte Kühe und dann noch voll gepackt mit Material für die Kinder…wir haben den Kindern Bauklötze, Ballspiele und Seifenblasen mitgebracht. So konnten wir die Gruppe aufteilen und hatten nicht alle 60 Kinder auf einmal um uns rum springen.
Letzte Woche haben wir Zuwachs im Heim bekommen. Eine ziemlich traurige Geschichte. Eine Frau aus Kamenge meldete sich beim Radio um eine Durchsage machen zulassen. Sie suchte die Mutter eines kleinen jungen, der seit fast zwei Tagen bei ihr sei. Seine Mutter hatte diese Frau gebeten auf ihren Sohn aufzupassen solange sie ihre Einkäufe erledigt. Anstatt, wie vereinbart den Jungen später abholen zu komme ließ sich die Mutter jedoch nicht mehr Blicken. Der Radiosender berichtete über diesen Vorfall. Dennoch gab es keine Hinweise auf den Verbleib der Mutter. Kenny (er ist anderthalb Jahre alt) wurde dann zu uns ins Heim gebracht, da die Nachbarin selber sehr arm ist um sich um ihre eigenen Kinder kümmern muss. Am nächsten Tag standen plötzlich ein Mann und zwei Frauen bei uns im Hof. Der Chef des Viertels Kamenge, die Nachbarin und die Mutter von Kenny. Man hatte die Mutter ausfindig gemacht, doch sie schien sich keineswegs darüber zu freuen. Als ich sie in das Zimmer zu ihrem Sohn brachte wollte sie ihn noch nicht mal auf den Arm nehmen. Nach endlos langem hin und her einigten wir uns darauf, das sie zusammen mit dem kleinen, bei uns bleiben könnte bis wir eine Lösung für ihre Probleme gefunden haben würden. Es ist so, dass diese Mutter eigentlich selber noch ein Kind ist. 16 Jahre, von ihrer Familie verstoßen und vom Vater des Kindes ignoriert. Sie beteuerte immer wieder, dass sie zu arm wäre, sie würde ihren Sohn nicht haben wollen, er solle doch bei uns bleiben und wir könnten ihn ja von irgendjemand adoptieren lassen. Es dauerte keine wie Tage und die Mutter war mitsamt einigen Anziehsachen unserer Mädchen verschwunden. Kenny hatte sie bei uns gelassen. Erst als die beklauten Mädels die Mutter einen Tag später wieder einschnappten einigte sie sich auf einen Kompromiss. Sie ließ uns ihre Adresse und die Namen ihrer Angehörigen da und unterzeichnete selber eine Einverständniserklärung, dass ihr Sohn bei uns bleiben soll. Jetzt haben wir also ein neues Kind ohne Eltern die sich kümmern. Ich kann euch sagen davon gibt es hier viel zu viele. Ein Großteil der Menschen hier sieht einfach keinen Sinn darin seine Kinder zu behalten. „Sollen sich doch andere kümmern, dann bin ich die Sorge los“. Es ist ja richtig dass die Geschichte von Kennys Mama nicht besonders glücklich angefangen hat, aber immerhin haben wir ihr Hilfe angeboten, die es ihr ermöglichen sollte ihr Kind selber aufzuziehen. Wir hoffen ja, dass sie vielleicht irgendwann zu Vernunft kommt, sie weiß ja wo sie ihren Sohn finden kann. Die ganze Geschichte, mit ausführlichen Hintergrundinfos, haben wir natürlich festgehalten. Es ist nicht immer leicht so einen Fall zu behandeln. Es gibt zu viele Leute die einem Schwierigkeiten machen können oder Beschuldigungen vorbringen die nicht gerechtfertigt sind.
So außerdem habe ich mit Kerstin in Kamenge im Mutter-Kind-Heim die Schaukel aufgestellt, unsere Ziege hat Babys bekommen, wir waren gestern Abend chinesisch essen, es regnet jetzt wieder fast jeden Tag und ich düse jetzt los nach Buterere.
Bye bye
Reintegration: Prosper und Celestin
Januar 5, 2008
Ich bin gestern von meiner kleinen-großen Reise nach Ngozi zurückgekehrt. Am 02.01.08 haben Peline, unsere Heimleiterin, und ich alles vorbereitet für die Reintegration zweier Straßenjungs. Prosper, 13 Jahre und Celestin 14 Jahre. Sie waren unter den ersten Kindern die ich vor zwei Monaten in Zusammenarbeit mit zwei Angestellten der Fondation von der Straße geholt habe. Für sie haben wir nicht, wie für viele andere Straßenkinder, einen Platz in einer Schule gefunden. Zum einen, weil sie schon recht alt sind und es so sehr schwierig ist einen Platz in den unteren Klassen zu bekommen und zum anderen, weil sie von vornherein gesagt haben, dass sie nach Hause wollen. Sie lebten jetzt 2 Monate bei uns ohne eine wirkliche Beschäftigung zu haben. In diesen zwei Monaten wurde jedoch nur zu deutlich wie gerne sie zurück in ihre Familien gehen würden. Sie haben keine Anstallten gemacht zurück auf die Straße zu gehen, sie haben sich vorbildlich in das Leben im Heim eingefügt und sich an den Arbeiten im Haushalt und der Küche beteiligt. Die Zeit bei uns kann als eine Art Bewährungsprobe angesehen werden. Es hat einfach keinen Sinn den Kindern einfach nur Geld zu geben und sie sofort nach Hause zu schicken, aber dazu habe ich ja schon in einem anderen Eintrag etwas geschrieben. Am Mittwoch haben wir dann alles Notwendige für die Zurückführung in die Familien eingekauft. Saatgut, Kleidung, Materialien für die Bestellung der Felder und Wasserkanister. Zudem haben wir für die Mütter Tücher gekauft als kleine zusätzliche Aufmerksamkeit. Man kann ja nie wissen wie sie reagieren wenn die Kinder nach so langer Zeit nach Hause kommen. Es ist noch lange nicht selbstverständlich das sie sich freuen. Mit der Rückkehr der Kinder haben sie ein Kind mehr zu versorgen undZudem könnte es sein, dass sie verärgert sind, weil ihre Söhne sie mit der Arbeit allein gelassen haben.
Um acht Uhr am Donnerstagmorgen sind wir zu viert in den Bus nach Ngozi gestiegen und haben die 2 stündige fahrt in die berge in Angriff genommen. Unser erstes Ziel war die Antenne in Ngozi, wo 20 Kinder zusammen mit den Heimleitern leben. Auch sie sind Straßenkinder. Unser Anliegen war es, Celestin und Prosper das Heim und somit eine Anlaufstelle zu zeigen, falls sie Probleme haben. Außerdem haben wir ihre Namen schriftlich im Heim festgehalten. So kommen keine Missverständnisse auf, wenn sie im Sommer kommen und um Schuluniform und Hefte bitten. Nach einem kurzen Gespräch mit den verantwortlichen vor Ort haben wir uns ein Taxi gemietet und sind in Richtung Tangara, dem zu Hause von Celestin aufgebrochen. Unsere fahrt endete nach ca. 40 km, danach ging es noch mal ca. 45 Minuten zu Fuß weiter durch ein Tal und über kleine Flüsschen. Auf unserem Weg kamen uns schon bald die ersten Nachbarn entgegen, die Celestin wieder erkannten. Strahlende Gesichter und freundlich Zurufe. Vor einer kleinen Hütte begrüßte der Heimkehrer dann auch ältere Bekannte und wir bekamen mit, wie sie auf einen speziellen Mann einredeten. Peline übersetzte mir, dass dieser Mann Celestins Vater sei. Diesem kam es erst gar nicht in den Sinn seinen Sohn zu begrüßen oder uns zum Haus zu begleiten. Die Menschen um uns haben ihn dann letztlich geradezu gezwungen uns zu folgen. Der arme Celestin änderte schlagartig seinen Gesichtsausdruck als er seinen Vater sah. Er schien sich kaum noch zu freuen. Mich hat es sowieso sehr gewundert seinen Vater dort anzutreffen, weil er immer nur von seiner Mutter geredet hatte und auch nur zu ihr zurück wollte. Wir dachten, dass sein Vater gar nicht in der Näher der Mutter leben würde. Wir nahmen unseren weg den Berg hinauf dann wieder auf, im Schlepptau eine ganze Horde neugieriger Nachbarn. Irgendwann gings dann zwischen Bananenstauden hindurch auf eine kleine Hütte zu. Das Dach aus Stroh, die Wände aus Lehm. Celestin betragt sein zu Hause als erster gefolgt von mir und Peline. Die Hütte besteht aus einem einzigen Raum. Im Inneren ein dreckiges Tuch als Abgrenzung von der Pritsche der Mutter zu dem Lager der Kinder. Direkt neben dem Eingang eine Anhäufung von Gräsern und drei Ziegen darauf.
Seine Mama traute ihren Augen nicht, ihr strahlendes Gesicht zeigte ihre Überraschung und Freude. Sie schloss ihren verlorenen Sohn in die Arme und begrüßte uns danach überschwänglich. Auch in Celestins Gesicht war das Grinsen zurückgekehrt. Nach der Begrüßung setzten wir uns alle im Kreis nach draußen. Der Großvater und die Großmutter Väterlicherseits kamen auch hinzu. Sie waren ebenso erfreut wie die Mutter. In dem folgenden Gespräch fanden wir schnell heraus, dass der Vater von allen verachtet wurde. Er war um 1993 nach Tansania geflüchtet und hatte seine Familie ohne jegliche Unterstützung zurück gelassen. Seine Rückkehr 2006 wurde überschattet von seiner neuen Frau und deren drei Kindern. Celestins Vater wollte nichts mehr von der ersten Familie wissen, wurde aber schon nach wenigen Monaten von der neuen Frau sitzen gelassen, die in ihre Heimat, Ruanda, zurückkehren wollte. Celestin war bei der Rückkehr seines Vaters in der zweiten Klasse, gab die Schule aber schon bald aus Trotz auf. Sein Vater wollte ihm weder Kleidung noch jegliche andere Unterstützung zukommen lassen. Selbst die Materialien für den Bau eines Hauses, die er von der Flüchtlingshilfe bekommen hatte verkaufte er. Das Geld war schnell umgesetzt in Alkohol. Celestin beschloss kurz darauf seiner Familie selber zu helfen und machte sich auf den Weg in den Süden des Landes nach Bururi Dort arbeitete er für drei Monate als Kuhhirte und verdiente 16.000 Fbu, etwa 10 Euro. Dieses Geld wollte er seiner Mutter bringen. Auf seiner Reise zurück wurde ich dieses Geld jedoch gestohlen und er musste in Bujumbura bleiben. Dort verbrachte er mehr als ein Jahr auf der Straße. Er hatte kein Geld mehr zurückzufahren und wollte auch nicht mit leeren Händen zu Hause ankommen.
Celestins Mutter dachte er sei tot. Sie hatte nicht mehr damit gerechnet ihn wieder zusehen.
Celestins Vater lebt neben einer kleinen Bar in einem heruntergekommenen Räumchen ohne Dach. Er versorgt seine Familie immer noch nicht, kommt aber regelmäßig zu seiner Frau um mit ihr zu schlafen. Somit hat Celestin noch eine neue kleine Schwester, von der er nichts wusste. Wir haben zusammen mit den Großeltern auf den Vater eingeredet, aber der schien nichts zu verstehen. Das größte Problem ist wohl, dass die Mutter immer noch deutliche Gefühle für ihren Mann hat, trotz allem. Bevor wir wieder gefahren sind hat sie uns versprochen ihn erst wieder zu sich zu lassen, wenn er arbeitet und sich für die Familie einsetzt. Glauben können wir das irgendwie nicht…Das Straßenkinderprojekt beinhaltet jedoch auch, dass man sich weiterhin um die Kinder kümmert und das die Familien unterstützt werden. Wir habe der Mutter Geld dagelassen (ohne dass der Vater es mitbekommen hat) und wir haben ihnen die Nummer von uns in Bujumbura und die Nummer vom Heim in Ngozi gegeben. Zuhoffen ist nun, das Celestin aus seinen Erfahrungen gelernt hat und gewissenhaft bleibt, das Herz dazu hat er allemal. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen Stärke und Durchhaltevermögen und eine bessere Zukunft!
Die Reintegration von Prosper war deutlich weniger nervenaufreibend. In Kiremba angekommen ging es auch dort einige Minuten zu Fuß weiter. Prosper sicheren Schrittes voran immer darauf bedacht uns alles zu erklären und zu zeigen. Seine Eltern waren beide zu Hause. Das Haus ein solider Bau, ein vernünftiges Dach. Die Eltern begrüßten ihn voll Freude und in Eintracht. Seine Mutter hatte Tränen in den Augen und wollte uns gar nicht mehr loslassen. Prosper war im Gegensatz zu Celestin „nur“ sechs Monate von zu Hause weg. Die erste zeit hatte er in Ngozi verbracht und danach ist er nach Bujumbura gegangen um dort Arbeit zu suchen. Sein Grund, das zu Hause zu verlassen, war ein Streit zwischen ihm und seinem großen Bruder. Der Vater hatte seinen Söhnen eine Ziege geschenkt, die der große Bruder ohne Einwilligung von Prosper verkauft hat. Die Mutter meinte ihr Sohn sei „schon immer sehr dickköpfig gewesen“. Auch Prosper will im Sommer, wenn das neue Schuljahr losgeht wieder lernen. Bis dahin will er seinen Eltern, mit unserer finanziellen Unterstützung, bei der Arbeit helfen. Auch seinen Eltern haben wir Geld dagelassen und die wichtigen Telefonnummern.
So ihr lieben, das war also meine erste Zurückführung von Straßenkindern in ihre Familien. Ich hoffe es ist euch nicht zu lang geworden diesen Bericht zu lesen. Für mich war es eine tolle Erfahrung und ich hoffe noch vielen Kindern und ihren Eltern eine solche Freude machen zu können.
Fotos von dem Wiedersehen könnt ihr bei Philipp auf dem Blog sehen: pziser.wordpress.com
Weihnachten dieses Jahr war mal was ganz anderes. Angefangen habe ich am 24 in dem neuen Heim in der Stadt danach waren wir in Kanyosha bei den Straßenkids weiter ging es am 25. in Uranderera. Dank der vielen Spenden von zu Hause konnten wir den Kindern ein wunderschönes Fest ermöglichen. Es gab Fleisch, Bananen, Sombe und Reis mit Soße. Bei den Straßenmädchen habe ich morgens Kleidung, Schuhe, Süßigkeiten und ein bisschen Geld verteilt, sodass sie über Weihnachten zu ihren Eltern fahren konnten. Es sind mittlerweile 15 Mädels in dem Haus. Sie haben sich riesig gefreut und für mich getanzt und einen Sketch aufgeführt. In Birashoboka gab es ebenfalls Klamotten und Schuhe und zusätzlich haben wir Regenschirme für den langen Schulweg gekauft sowie Schaukeln bauen lassen. Wir haben nicht mit den Kids dort gegessen, sondern nur alles verteilt. Das Festmahl gab es erst am 25. als wir zu Hause gefeiert haben. In Birashoboka leben 130 Kids. Es hat eine Ewigkeit gedauert bis alle ihre Sachen hatten. Wir haben immer 5 Kinder auf einmal in den Raum gelassen. Ruth hat einen super Türsteher abgegeben, Kerstin und Luisa haben Bonbons verteilt, Philipp war natürlich Fotograf und ich habe die Kleider sortiert. Trotzdem wären wir ohne Bienvenu den Heimleiter aufgeschmissen gewesen. Der Mann hat es echt drauf die Bande in Schach zu halten.
Abends haben wir freiwilligen uns alle mit Verena und Benoit im Chez Andre getroffen. Wir waren eingeladen zum gemütlichen Weihnachtsessen. Es gab schöne Geschenke die alle auf einem festlich geschmückten Tisch für uns bereit lagen. Nach diesem gemütlichen Beisammensein sind wir gegen Mitternacht zu einer Weihnachtsparty aufgebrochen und haben den Tag mit Tanzen ausklingen lassen. Leider ging es Kerstin nicht so gut, sie hatte eine Magenverstimmung. Am nächsten Tag haben wir dann noch mal eine ganz liebe Dankes-SMS von den Straßenjungs bekommen. Sie waren wirklich sehr glücklich. In Uranderera ging es dann am 25. doch etwas besinnlicher und festlicher zu. Wir haben schon Tage vorher das Wichteln vorbereitet. Alle 70 Kinder haben einen Namen gezogen und für dieses Kind im Chez Andre ein Paket zusammengestellt. Dazu sollte jeder ein Bild malen und wir haben noch Schokolade dazu gepackt. Gegen Mittag haben wir dann alles schön geschmückt. Die Tische mit Laternen, Sternen und Tischdecken versehen und die selbstgebackenen Plätzchen verteilt. Richtig los ging das Fest mit leckerem Essen, dann wurden Geschenke verteilt. Wir haben immer einen Wichtel nach dem anderen aufgerufen, der dann sein Geschenk dem jeweiligen Kind überreicht hat. Da war was los!!! Wenn ein Mädchen einem Jungen oder ein junge einem Mädchen ein Geschenk gegeben hat waren alle ganz aus dem Häuschen und haben losgebrüllt. Alle haben dann geklatscht und gejubelt. Nachdem alle Geschenke verteilt waren haben die Mädchen getanzt und gesungen in ihren Festlichen Gewändern. Die Party ging danach noch weiter bis ca. 21 Uhr. Leider folgte dann ein Stromausfall und somit auch einen Musikausfall….Dieses plötzliche Ende konnte der Stimmung trotzdem keinen Abbruch tun, alle sind zufrieden ins Bett gegangen.
Gestern am 26.12 hatten wir dann endlich mal wieder richtiges Strandwetter. Eigentlich wollten wir die Jungs in Kamenge und Jabe besuchen. Die strahlende Sonne hat uns dann doch unsere Pläne ändern lassen. Wir haben alle eingesammelt und sind mit dem Bus zum Strand gefahren. Es war ein wunderschöner lustiger Tag den die Jugendlichen sichtlich genossen haben. Es kommt ja nicht so oft vor, dass sie zum Strand kommen. Der Bus ist für sie einfach zu teuer. Heute ist Kerstins Mama angekommen. Sie bleibt zwei Wochen und wird auch am Samstag mit uns bei den Mamas in Kamenge Weihnachten feiern. Ich war noch in Kanyosha und werde gleich bei uns zu Hause mit den Kindern und Soleil (einer jungen Frau die eigentlich im Chez Andre arbeitet) singen. Soleil bringt ihnen Lider bei die sie am Sonntag in der Kirche vortragen werden. Morgen werde ich hoffentlich noch mal ein bisschen weiter kommen mit den Straßenmädels und Gespräche mit ihren Müttern führen.
So ihr lieben dann wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 2008, wir werden im Chez Andre feiern. Es findet eine Party statt. Es werden um die 200 Leute erwartet. Lasst es krachen, bis dahin
Eure Nadine
Frohe Weihnachten und Guten Rutsch ins Jahr 2008!
Dezember 18, 2007
Heute ziehen die Straßemädels endlich in das neue Haus. Letzte Woche haben wir fleißig dort gearbeitet. Angestrichen, sauber gemacht und Sachen für den Haushalt gekauft. Ein Teil der Mädels soll so schnell wie möglich wieder zu ihren Familien gebracht werden. Das ist leider schwieriger als gedacht. Zum einen wollen die Mütter ihre Kinder gar nicht, weil sie wissen das sie bei uns im Heim gut aufgehoben sind und ihnen dadurch arbeit erspart wird. Zum anderen wollen die Kinder auch gar nicht zu Hause bleiben. In Buterere waren wir zwar letzte Woche zunächst erfolgreich doch sind jetzt schon wieder zwei von den Mädels die wir zu ihren Müttern gebracht haben ins Heim zurückgekommen. Wir haben den Müttern Geld und Kleider da gelassen und ihnen erklärt wie wir helfen wollen, dass ab Januar die Micro-Kredite laufen. Leider scheint alles reden nichts genützt zu haben. Aber man darf sich eben nicht so schnell endmutigen lassen. Wenigstens sind die Kinder wieder zu uns gekommen und nicht wieder auf die Straße gegangen. Wir werden dran bleiben und weitere Gespräche mit den Familien führen.
Eine von den Mamas hat mich besonders betroffen gemacht. Ihre Tochter haben wir nicht in Buterere gelassen. Chantal ist 12 Jahre alt und noch nie zur Schule gegangen, sie ist genau wie ihre Mutter sehr abgemagert. Wir haben beschlossen sie mir zurück ins Heim zu nehmen, damit sie bei uns eine Ausbildung anfangen kann. Sie hat noch 5 Geschwister und ihre Chancen für die Zukunft wären gleich null wenn wir sie zu Hause lassen würden. Ihre Mutter sollte natürlich trotzdem bei unserem letzten Besuch Unterstützung bekommen. Sie tauchte erst auf, als wir schon aufbrechen wollten. Sie war völlig betrunken. In solchen Fällen weiß man einfach nicht was man machen soll. Da ist die Armut so groß und dann wird das bisschen was man hat noch versoffen. Ich dachte eigentlich immer das Problem hätten wir nur in der westlichen Welt… Naja so kann man sich täuschen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage wie wir mit dieser Frau weiter arbeiten können. Geld kann man ihr keins geben. Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.
Am Donnerstag ist Philipp angekommen, die Kinder haben sich riesig gefreut ihn zu sehen. Er bleibt bis Anfang Januar, ich hoffe er kann in der Zeit hier einiges bewegen. Ist schon komisch, ich kann mich noch so gut an den Tag erinnern als die anderen abgereist sind und jetzt ist er schon wieder da. Die Zeit vergeht einfach so wahnsinnig schnell!
Am Samstag haben wir mit den Kindern im Heim bei uns zu Hause Plätzchen gebacken. Es hat wunderbar geklappt und die süßen hatten so viel Spaß. Sogar die Jungs haben fleißig mitgemacht und wollten gar nicht mehr raus aus der Küche. Wir haben die Kinder in kleine Gruppen eingeteilt, weil unsere kleine Küche nur platzt für 7 Kinder auf einmal bietet. Jede Gruppe hat ein Blech belegt und dekoriert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: wunderschöne bunte und sogar leckere Plätzchen!!
Also dann wünsche ich euch allen schöne Weihnachten und kommt gut ins neue Jahr 2008!!
Eure Nadine
2.12.07
Martina ist am Donnerstag wieder nach Hause geflogen. Sie hat die knappe Woche bei uns damit verbracht die verschiedenen Projekte zu besuchen, Pläne für neue Projekte zu machen und mit Verena alles Wichtige zu besprechen. Heute Abend kommt dann schon wieder neuer Besuch. Luisa eine neue Feiwillige landet heute Abend um 20 Uhr.
Das Haus in der Stadt ist leider noch nicht fertig. Ich muss mich noch eine Woche gedulden bis wir dort loslegen können.
Diese Woche haben wir den Adventskalender aufgehängt. Er ist wirklich schön geworden. Die Kinder haben sich auch sehr gefreut, auch wenn es nicht ganz einfach ist sie daran zu hindern ihr Paket schon sofort aufzumachen. Aber mittlerweile scheinen sie schon zu verstehen, dass jeder mal dran ist und sie keinen Grund haben eifersüchtig zu sein. Außerdem haben wir im Straßenkinderheim aus Pappmaché Sterne gemacht die wir nächste Woche bunt anmalen wollen. Danach werden wir sie an der Decke im Essraum aufhängen um es dort auch ein bisschen schöner zu machen. Heute Morgen waren wir alle zusammen mit beim Fußball von Imani. Unsere Mädels haben als erste gespielt aber leider ist es nur unentschieden ausgegangen.
5.12.07
Heute Morgen war ich mit Verena bei einer Versammlung von UNICF. Dort wurden verschiedene Projekte analysiert und die Planung für das Jahr 2008 aufgestellt. Ich habe mich sehr gefreut dass ich dort mit hingehen konnte. Es ist mal was ganz anderes die theoretische Seite zu sehen und mit zubekommen wie die verschiedenen Organisationen ihre Projekte managen und was sie für Erfahrungen in der praktischen Arbeit machen. Im Großen und Ganzen sind die Erfahrungen ähnlich, was mir zeigt, das die Probleme, die während der Ausführung der Projekte auftreten, nicht auf persönliche Fehler zurückzuführen sind, sondern auf eine noch nicht ausreichend ausgearbeitete Planung aller Organisationen. Leider mangelt es halt immer wieder an qualifiziertem Personal. Dabei ist meiner Meinung die schulische Qualifikation an sich nicht so wichtig wie der gesunde Menschenverstand und das richtige Gespür. Die Erziehung der Kinder und ihre Autonomisierung können durchaus von „einfachen“ Personen ohne psychologische o.ä. Ausbildung stattfinden, wenn diese genug Engagement und Motivation mitbringen. Es ist noch lange nicht selbstverständlich das Kinder, die mehrere Jahre in einem Heim gelebt haben und im Alter von 18 Jahren diesen Schutzraum verlassen, den Sinn dieser Hilfe verstanden haben. Man hat sich in dieser Zeit um sie gekümmert, ihnen einen Platz zum Schlafen und Essen gegeben, sie zur Schule geschickt, aber wenn sie dann plötzlich alleine da stehen ist es nicht selten so, dass sie wieder in ihr Leben vor dem Heim zurückkehren. Das liegt häufig daran, dass ihnen in der ganzen Zeit nicht vermittelt wurde was sie aus ihrem Leben machen können und das man es versäumt hat die fehlende Erziehung nachzuholen und ihr Selbstbewusstsein gezielt zu stärken. Das Leben in einem Heim sollte dem eines Familienlebens sehr nahe sein, was bedeutet das man sie während der Zeit im Heim erzieht, als Ansprechpartner zur Verfügung steht und sich ihrer Probleme annimmt. Sie sollen nicht einfach nur einen Aufenthaltsort, sondern ein Zuhause haben. Das bedeutet auch die Kinder nach dieser Zeit weiter zu betreuen und sie nicht einfach sich selbst zu überlassen. Man muss ihnen Perspektiven eröffnen und sie ermuntern etwas aus ihrem Leben zu machen. Das ist genau das was wir versuchen. Die Aufgabe der Freiwilligen im Heim ist es unter Anderem, den Heimleitern zu vermitteln, das sie für die Kinder als engste Bezugspersonen gelten und sie dementsprechend begleiten müssen. Das Verständnis von Familie, wie wir es verstehen, existiert hier meistens nicht. Zudem begleitet die Fondation auch diejenigen, die für die Heime zu alt werden auf ihrem Weg ins Arbeitsleben sind, indem kleine Häuser für Wohngemeinschaften bis zu 8 Personen gemietet werden. Die jungen Erwachsenen leben dort alleine, versorgen sich mit Hilfe der Fondation selbst und werden regelmäßig von Betreuern besucht.
So das war mal ein etwas anderer Eintrag, das nächste Mal erzähle ich euch dann wieder mehr über die Sachen die wir mit den Kindern gemacht haben!
Nikolaus
Ihr lieben ich hoffe ich hattet einen schönen 6. Dezember. Ich habe dieses Jahr dann mal auf meinen Schokonikolaus verzichtet…*g*
Heute morgen waren Ruth und ich im Kindergarten und haben vorher auf dem Markt Obst und Gemüse gekauft. Vollbeladen gings dann mit etwas Verspätung hinauf nach Sororezo. Den Kindern haben wir abwechselnd die Augen verbunden und sie mussten erraten mit was sie da gefüttert werden. Zu unserer Überraschung ging es sehr zivilisiert zu und am Ende haben wir dann Alles verteilt. Die haben sich riesig gefreut und sogar die Paprika verschlungen. Dabei weiß ich genau dass die so was eigentlich nicht so gerne essen, jedenfalls zu Hause im Heim nicht. Danach habe ich mit Kerstin gewaschen, jedes Mal wieder ein Aufwand und alles was man davon hat sind Blasen an den FingernL. Heute Nachmittag haben wir Rose im Krankenhaus besucht. Sie hat zu wenig Blut und bekommt Transfusionen. Morgen kommt sie aber wieder nach Hause. Leider finden die Ärzte hier nicht die Ursache für ihren Blutmangel. Ich hoffe die noch ausstehenden Tests bringen Klarheit.
24.11.07
November 25, 2007
Also dann will ich euch mal von unserem Straßenkinderprojekt berichten. Dieses Projekt wird von Unicef finanziert und soll den Straßenkindern ermöglichen zur Schule gehen zu können oder eine Ausbildung anzufangen. Clotilde, Bienvenu und ich waren insgesamt 4 Tage auf der Straße und haben mit ca. 70 Straßenkindern gesprochen. Wir sind alle möglichen Stellen im Zentrum abgelaufen und haben jedes einzelne Kind befragt. Fragen wie: Hast du noch deine Eltern? bist du schon mal zur Schule gegangen? seit wann bist du auf der Straße? wo schläfst du? was willst du gerne in deiner Zukunft machen, warum bist du auf der Straße. Alle Antworten haben wir in ein kleines Heft geschrieben um bei der nächsten Befragung die Antworten vergleichen zu können. Man muss ziemlich vorsichtig sein, denn es ist oft so, dass die Kinder nicht die Wahrheit sagen. Wenn wir also sichergehen konnten das die Geschichte stimmt haben wir ihnen vorgeschlagen zu helfen. Das gestaltet sich ziemlich schwer, weil die Kinder sehr ungeduldig sind und gerne sofort Resultate sehen möchten. Als wir beim zweiten Mal wieder einen neuen Termin mit ihnen ausmachen wollten haben sie angefangen zu schimpfen und meinten wir würden sie ja nur aushorchen wollen, aber am Ende doch nichts für sie tun. Ich denke es gab schon zu viele Leute die durch die Gegend gelaufen sind um ihre Storys schreiben zu können, den Kindern aber nie wirklich geholfen haben. Ich kann gut verstehen, dass sie da misstrauisch sind. Unser letzter Termin (vorerst) war am Dienstag. Wir haben einen kleinen Raum im Centre Culturel Francais reserviert um in Ruhe und ohne Schaulustige mit den Kindern reden zu können. Teilweise sind die Geschichten schockierend, teilweise einfach nur traurig. Ich frage mich wirklich was sich die Eltern dabei denken ihre Kinder zum betteln auf die Straße zu schicken, anstatt sie zur Schule gehen zu lassen. Manche sind schon seit 12 Jahren auf der Straße und somit auch schon zu alt um zur Schule zu gehen. Die meisten kommen aus dem Landesinneren wie z.B. Gitega und Ngozi. Sie sind aus den verschiedensten Gründen in die Hauptstadt gekommen. Manche wollten einfach mal was anderes sehen, manche waren krank und haben hier in Bujumbura auf Hilfe gehofft, manche kommen aus so armen Familien, dass sie es zu Hause nicht mehr ausgehalten haben und sich jetzt durch Betteln über Wasser halten und andere wurden zu Hause schlecht behandelt, weil der Vater eine neue Frau hat die die Kinder aus erster Ehe nicht leiden kann. Das größte Problem ist nun den Kindern verständlich zu machen, dass es eine bessere Zukunft gibt als das Leben auf der Straße. Viele wissen das auch, aber sie haben keine Vorstellung davon wie sie diese Zukunft erreichen können. Uns war es ganz wichtig, dass die Kinder freiwillig zu uns kommen. Wenn man sie einfach mitnimmt ins Heim um von dort aus weitere Maßnahmen einleiten zu können ist es meistens der Fall das sie am nächsten Tag mit neuen Klamotten wieder abhauen und erneut auf der Straße sind. Also haben wir ihnen genau erklärt wo unsere Heime sind und sie eingeladen zu kommen. Nur wer aus freien Stücken kommt ist auch wirklich gewillt etwas zu ändern. Diejenigen die nicht aus der Umgebung kommen wollen wir nach Hause begleiten um dort mit den Familien zu sprechen und sie, wenn Armut der Grund für das Leben auf der Straße war, mit Mikro-Krediten zu unterstützen. Da wir in Ngozi und Gitega auch Zentren haben wo Ausbildungen angeboten werden, können die Älteren dort in die Lehre gehen. Eine andere Möglichkeit ist es Gruppen von ca. 5 Jungen Männern oder Frauen zu bilden, die ein kleines Gewerbe aufmachen. So können sie zusammen ein kleines Restaurant oder einen Frisörsalon eröffnen. Dazu bekommen sie von uns finanzielle Unterstützung. Vor Ort ist dann natürlich auch immer ein Ansprechpartner, bzw. jemand der die ganze Sache beaufsichtigt und die Finanzen kontrolliert. Das gleiche gilt für die Familien, die finanzielle Unterstützung bekommen, um die Kinder zur Schule schicken zu können. Sie sollen regelmäßig besucht werden und genau Buchführen über ihre Ausgaben. Das alles ist so wahnsinnig aufwendig und kompliziert, ihr könnt euch vorstellen, dass das nur funktionieren kann wenn alle die an dem Projekt mitarbeiten gewissenhaft und verantwortlich handeln, die Betroffenen wie auch die „Betreuer“.
Wir hätten am Anfang auch gar nicht geglaubt, dass so viele Kinder mitmachen würden. Bis jetzt sieht es so aus, dass wir 35 neue Kinder in Kanyosha und 6 bei und im Heim untergebracht haben. Die meisten sind natürlich nur übergangsweise dort, bis wir mit den Familien gesprochen haben und/oder die Kinder wieder nach Hause ins Landesinnere bringen können. Dafür muss aber natürlich vorort auch alles geregelt sein. Zudem müssen wir uns, bevor wir Finanzielle unterstützung geben können, darüber im Klaren sein, das die Kinder und Familien wirklich mitarbeiten wollen und nicht das Geld für irgendwelchen Unsinn ausgeben und die Kinder nach ein paar Tagen wieder hier runter nach Bujumbura kommen. Es ergeben sich ungeahnte Probleme, weil die beiden Heime dadurch im Moment total überlastet sind. Es müssen provisorische Betten her oder die Kinder teilen sich zu dritt ein Bett und die Essenrationen müssen erhöht werden. Wir haben einfach nicht damit gerechnet das sooooo viele unsere Hilfe annehmen. Zudem sind es nicht nur gesunde Jungs die wir aufgenommen haben, sondern auch Behinderte und vor allem Mädchen. Die Mädchen sind zurzeit noch im Straßenkinderheim in Knayosha. Morgen werde ich einen großen Teil von ihnen gemeinsam mit Bienvenu, dem Heimleiter dort, zu ihren Eltern begleiten um die ersten Familiengespräche zu führen. Für diejenigen die keine Eltern mehr haben, werden wir ab dem 1.Dezember ein Haus mieten in der Stadt. Vielleicht kann ich sogar dort mit einziehen das steht aber noch nicht fest.
Einem Behinderten Jungen konnten wir helfen, indem wir ihn bei uns im Heim die Schneiderlehre machen lassen. Er hat nur ein Bein, seine Eltern leben beide noch. Durch die Behinderung und die Armut seiner Eltern war er jedoch gezwungen betteln zu gehen. Er ist 18 Jahre alt und zu alt um mit der Schule anzufangen. Jetzt kommt er unter der Woche zu uns ins Heim und am Wochenende ist er bei seinen Eltern. Wir werden uns jetzt also erstmal um die Reintegration derer kümmern, die schon in den Heimen sind. Wenn wir das geschafft haben und es gut läuft werden wir wieder auf die Straße gehen und neue Kinder motivieren. Ich bin sehr gespannt wie es wohl weiter geht und ob wir unsere Ziele erreichen können. Die Kinder wollen fast alle wieder bzw. zum ersten Mal in die Schule gehen und sind größtenteils sehr umgänglich. Es ist so super interessant ihre Geschichten zu hören und sich mit ihnen zu beschäftigen. Leider habe ich mit der Verständigung so meine Probleme und muss mir fast alles übersetzten lassen, weil sie fast alle nur Kirundi sprechen. Französisch lernt man hier eben erst in der Schule und genau dorthin wollen wir sie ja erst bringen.
Heute ist Martina angekommen, sie ist grade mit Verena zur Schule gefahren und die Vortschritte am Bau zu begutachten. Sie bleibt 5 Tage bei uns. Es gibt viel zu besprechen. Ich freue mich auf die gemeinsame Zeit hier.
Im Moment sind wir ganz fleißig dabei den Adventskalender für die Kinder zu basteln, ganz schön viel arbeit für fast 70 Kinder!! Wir haben auch schon angefangen mit den Kids für Weihnachten zu basteln. Bald werden wir dann auch die ersten Plätzchen backen. Hier ein ganz großes Dankeschön an meine Mama, meinen Papa, meine Oma, meine Tante und Gabi die uns so tolle Bastelsachen geschickt haben!! Ohne euch wäre die ganze Aktion gar nicht möglich. Es gibt so Sachen eben nicht zu kaufen hier. Esther meine süße, vielen vielen Dank auch für die Sachen die du Martina für mich mitgegeben hast!! Die Plätzchen werden jetzt noch schöner. Die CD werde ich auch gleich heute Abend hören, Psycho muss aber noch bis nach Weihnachten warten *g*.
So Leute, ich wünsche euch schon mal eine tolle Adventszeit, die Weihnachtsmärkte in Köln werde ich bestimmt vermissen, schade das hier nicht so richtig Weihnachtsstimmung aufkommt….bei dem Wetter. Tschau und bye bye, Eure Nadine
Hallo zusammen,
ich bin gestern Abend wohlbehalten aus den Bergen zurückgekommen. Von unserem Strandausflug mit den Kids könnt ihr auf der Seite von Kerstin lesen, ich überspringe den Anfang dieses Monats mal und berichte von meiner kleinen Reise.
Am Mittwochmorgen sind wir, Verena. Imani, Laura, Kerstin Ruth und ich gegen neun Uhr losgefahren. Unserer erster Stopp war nicht wie vorhergesehen in Ngozi, sondern schon nach 10 km auf dem Weg in die Berge. Grund dafür war das Kühlwasser bzw. das fehlende Kühlwasser *g*. Der Filter war irgendwie verdreckt und somit mussten wir alle paar km anhalten und Wasser nachfüllen. Nachdem es im Auto ohnehin schon ziemlich eng war, weil Verena ganz viele Pflanzen für ihr Landwirtschaftsprojekt mitnehmen musste, waren wir alle ziemlich platt als wir Mittags endlich in Ngozi ankamen. Dort haben wir dann das Heim und den neuen Kuhstall besichtigt und wir haben Kleidung an die Schüler verteilt. Außerdem haben wir Decken an die Feldarbeiter verteilt. Die arbeiten so hart. Ein riesen großen Feld pflügen die mit Hacken komplett um. Nicht einmal Ochsen oder so was haben die, weil ihnen die ohne Pflug ja auch nichts nützen. So schwere Arbeit kann sich bei uns glaube ich kaum einer vorstellen. Wenn man bei uns aufs Land fährt sieht man überall Traktoren und Maschinen, hier sieht man von weitem gar nichts auf den Feldern, erst wenn man näher ranfährt sieht man die Menschen arbeiten. Als Dankeschön für die Decken haben die Männer gesungen und traditionelle Tänze mitten auf der Straße aufgeführt. Dabei müsst ihr euch die Straße so vorstellen: Ein ewig langer Feldweg, rote Erde, Schlaglöcher überall und links und rechts Bäume, Berge und wahnsinnig viel Land.
Am späten Nachmittag gings dann weiter nach Muyinga. Als wir dort ankamen war es schon dunkel und es blieb nur noch Zeit um etwas zu essen. Kerstin und ich haben im Heim übernachtet und die anderen haben sich ein Hotel gesucht. Am nächsten Morgen galt unser erster Besuch den Pygmäen. Es ist wirklich kaum zu fassen wie die Leute dort leben. Erstmal war es super kalt, obwohl der Regen aufgehört hatte. Die Kinder liefen teilweise ohne Hose oder T-Shirt rum und haben gezittert vor Kälte. Die Pygmäen leben außerhalb von Muyinga, weil die von der restlichen Bevölkerung nicht akzeptiert werden. Ihre „Häuser“ sind kleine windige Hütten, die aus Blättern und Ästen gebaut werden. Es gibt nur einen einzigen „Raum“, indem Platz für die Familie und ihre Tiere sein muss. Alle schlafen auf dem Boden. Es wird dort auch gekocht und gegessen. Die Wasserstelle des „Dorfes“ liegt im Tal. Der Abstieg ist da noch kein Problem, aber vollbeladen mit Wasser gestaltet sich der Aufstieg ziemlich anstrengend. Die kleine Schule, die Dank der Fondation Stamm errichtet wurde, besteht aus großen Planen und bietet Raum zum Unterrichten von allen Kindern die dort leben. Bevor wir weiter fuhren haben zwei junge Männer auf einem Instrument gespielt, das ich noch nie vorher gesehen habe. Ein Brett mit unterschiedlich langen Nägeln dran, die man irgendwie anzupft. Keine Ahnung wie ich es beschreiben soll, jedenfalls hat es sich gut angehört und drei der Kinder haben dazu getanzt. Voll süße wie die sich in dem Alter schon bewegen können! Sie waren nicht älter als vier Jahre. Die haben den Rhythmus einfach im Blut.
Danach ging es dann zum nächsten Landwirtschaftsprojekt. Dort konnte ich auch endlich die Mützen verteilen, die ich von der Sparkasse Krefeld bekommen habe. Teilweise waren die Schüler da noch schärfer drauf als auf die Pullover die wir ebenfalls verteilt haben.
Auf den Feldern die die Schüler bewirtschaften, werden Gras für das Vieh, Erdnüsse, Bananen und vieles mehr angepflanzt.
Nachdem wir uns fast zwei Stunden dort aufgehalten haben, sind wir wieder zurück Richtung Muyinga gefahren um uns die Ernährungsstation anzuschauen. Leider ist sie im Moment „Außerbetrieb“ weil es an Geld mangelt. So konnten wir leider nur die Verlassenen Zelte sehen. Wir hoffen aber durch unsere Weihnachtsaktion auch einen Teil der Spenden in dieses Projekt stecken zu können, damit die Leute dort wieder versorgt werden können. Obwohl die Station im Moment nicht arbeitet fanden wir dort eine junge Frau mit ihrer Mutter vor. Als ich fragte was mit ihnen los sei, schob das Mädchen den Rock ihrer Mutter hoch und entblößte somit ihre geschwollenen und aufgeplatzten Beine. Die Frau saß im nassen Graß und man konnte ihr die Blutarmut deutlich ansehen. Sie war nicht in der Lage zu sprechen und somit erklärte uns die Tochter, dass es ihrer Mutter seit der Geburt ihres jüngsten Kindes vor zwei Monaten so schlecht gehe. Die Frau hat am ganzen Körper gezittert. So weit ab von der Stadt und ohne finanzielle Hilfe hatten sie keine Möglichkeit die Frau versorgen zulassen. Wir haben dann Geld gegeben, damit man sie ins Krankenhaus bringen und dort versorgen konnte. So schlimm es sich anhört, aber ich denke nicht, das sie es überleben wird. Sie war schon zu lange krank und die Krankenhäuser hier kann man auf deutsch gesagt so was von vergessen. Leider werden wir wohl nie herausfinden wie es ihr letztendlich ergangen ist.
Wir brachen auf Richtung Ruyigi, weil ich von Lisa eingeladen war, sie dort zu besuchen. Ich habe sie kennen gelernt, weil sie zusammen mit Khadja-nin das Straßenkinderheim besichtig hat. Sie kommt aus Paris und macht hier in Burundi ein Praktikum bei Maggy. Diese Gelegenheit wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Leider ist ihre Nummer mit meinem Handy zusammen geklaut worden, also sind wir auf Gutglück hingefahren. Gott sei Dank habe ich mich nicht wie zunächst geplant, alleine auf den Weg gemacht, denn als wir in Ruyigi angekommen sind und ich sie gefunden hatte stellte sich heraus, dass sie am nächsten Morgen fürs Wochenende nach Bujumbura fahren würde. Es wäre einfach zu langweilig in diesem Ort und sie würde es am Wochenende nicht aushalten.
Verena hatte mir angeboten mich zubringen, weil sie sich mit einem Mann in Cankuzo treffen wollte, der dort Flüchtlingsprojekte hat. Cankuzo liegt etwa eine Stunde entfernt von Ruyigi. Um dorthin zukommen mussten wir auf einer Landstraße fahren, die Durch einen Nationalpark führt. Die Straße war so dermaßen schlecht, dass wir die ganze Zeit durchgeschüttelt wurden. Ali unser Fahrer kam aber erst gar nicht auf die Idee das Tempo unter 50 h/km zu halten. Andere Leute bezahlen für so eine Erlebnistour bestimmt viel Geld. Cross im Affenzahn durch die wunderschöne Landschaft Burundis. Ich sag euch es hat einen heiden Spaß gemacht, auch wenn uns der Hintern nachher wehgetan hat… Wir haben sogar wilde Affen gesehen, eine ganze Familie. Ziemlich groß, leider weiß ich nicht welche Rasse.
In Cankuzo angekommen kam ich mir dann vor wie in einer verlassenen Westernstadt. So ein Dorf habe ich noch nicht gesehen vorher. Am Arsch der Welt könnte man sagen. Fehlten nur noch die Runden Grasknäuel die vom Wind über die Straßen getrieben werden. Nach einem kurzen Aufenthalt in diesem Örtchen ging es dann unverrichteter Dinge weiter nach Ruyigi. Der Mann den wir treffen wollten war nämlich gar nicht dort, sondern irgendwo anders. Er hatte uns den Weg falsch erklärt!
Nunja in Ruyigi haben wir dann alle zusammen im Hotel übernachtet und am nächsten Morgen haben sich unsere Wege getrennt. Die anderen sind über Muyinga zurück nach Buja gefahren und ich habe mich von Lisa bis Gitega mitnehmen lassen. Schließlich hatte ich nicht vor doch schon Freitag wieder zu Hause zu sein. Ich wollte das geplante Wochenende nicht einfach so aufgeben.
Im Straßenkinderheim von Gitega leben 13 Jungs mit ihrem Betreuer. Dort habe ich das Wochenende verbracht. Freitag war ich zuerst im Körperbehindertenheim von Schwester Candida. Den Kindern dort hatte ich ja auch versprochen noch einmal wieder zukommen. Sie haben sich sehr gefreut. Den Nachmittag habe ich damit verbracht die ganzen Felder der Schwestern zu besichtigen. 4 Stunden sind wir durch die Gegend gefahren und gewandert bis ich alles gesehen habe. Dabei hat Candida die Arbeiter/innen bezahlt. Ich habe das erste Mal in meinem Leben gesehen wie Ananas wachsen! Voll krass, ich hatte keine Vorstellung wie das aussieht. Ihr müsst euch mal vorstellen, die Menschen arbeiten für 800 FBU den ganzen Tag in der prallen Sonne!!! 800FBU sind ungefähr 50 Cent!!
Abends habe ich dann mit den Jungs im Heim Karten gespielt. Samstag nach den „traveaux communautaire“ (von acht Uhr bis zehn Uhr muss die Stadt sauber gemacht werden) bin ich mit Thérence auf den Markt gegangen um ihnen einen Basketball zu kaufen. Die haben sich tierisch gefreut und der Ball wurde natürlich am Nachmittag sofort eingeweiht. Somit haben wir den restlichen Tag mit Basketball- und Fußballspielen verbracht. Gestern Mittag bin ich dann mit zwei Freunden aus Bujumbura, die auch in Gitega waren, wieder nach Hause gefahren. Es war eine aufregende und schöne Reise und ich bin jetzt noch müde davon…
Letzte Woche, bevor wir gefahren sind, habe ich zusammen mit Clauthilde ein neues Projekt angefangen. Wir sind auf die Straße gegangen und haben mit den Straßenkids geredet um herauszufinden wie sie leben und woher sie kommen. Warum sie auf der Straße sind und wie man ihnen helfen könnte. Dazu schreibe ich euch aber ein anderes Mal mehr. Das ist zu viel um es jetzt noch an diesen Bericht anzuhängen. Nur so viel: ich freue mich riesig auf dieses Projekt, weil es etwas ganz neues und spannendes ist. Ich muss dafür richtig unter die Menschen und wir können damit ca. 50 Straßenkindern eine neue Perspektive verschaffen!!!
