Dies und Das

September 19, 2007

Gestern ist Verena mit uns Mädels nach Gitega gefahren. Um halb neun ging es los auf die ca. zweistündige Autofahrt. In Gitega angekommen habe wir eine kleine Rundfahrt durch den Ort gemacht um die Sehenswürdigkeiten zu sehen. Es gibt zugegebenermaßen nicht besonders viele  . Ein paar Denkmäler und den Baum der die Mitte Burundis kennzeichnet. Andere sagen er würde sogar in der Mitte Afrikas stehen. Ein wunderschöner riesiger Baum.
Die Kids sind am Wochenende Umgezogen. Es hat alles gut geklapt. Es fehlen nur leider noch einige Matratzen und das Dach für den Aufenthaltsraum ist noch nicht ganz fertig. Es fehlt im Moment ein bisschen an Geld. Deswegen muss die Fertigstellung noch warten. Die Kinder sind denke ich ganz zufrieden. Es haben auch fast alle einen Platz in Schulen in Kanyosha gefunden.
Heute Mittag um 12 kommt Herr Kamm aus Tönisvorst ins Chez André. Er ist gestern in Buja angekommen und will sich mit mir und Verena austauschen. Ich bin gespannt was er hier vorhat. Sein Projekt in Gitega haben wir leider gestern nicht besucht, weil wir nicht genug Zeit hatten. Ich hoffe ich werde während seinen Aufenthalt hier noch dazukommen. Er bringt mir auch die Spenden mit, die meine Familie und Freunde für uns hier zusammengelegt haben, davon werde ich die 14 Matratzen kaufen, die den Kindern im Straßenkinderheim fehlen. So müssen sie nicht mehr zu dritt in einem Bett oder auf halb abgerissenen Matratzen schlafen. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an meine Eltern Klaudia und Arie van Huuksloot, Leo und Maria Hannapel, Mareike Theisen, Angelika Stangenberg und an Vincenzo und Sylvia Moreale. Ich werde versuchen ein paar Fotos hoch zu laden, damit ihr seht was ich mit eurem Geld anstelle *g*.
Im Heim Uranderera ist es grade ein wenig unruhig. Kiki und Gaston sind zurück zu ihren Müttern gegangen. Sie wurden abgeholt und sollen nun langfristig in den Familien bleiben. Einmal pro Woche geht Clauthilde die Kinder besuchen und guckt, ob es ihnen auch gut geht.
Es sind auch mehrere neue Kinder im Heim. Zwei Mädchen und zwei Jungs. Einer von den Jungs kommt aus den Straßenkinderheim. Er wird bei uns wohnen, weil seine Schule zu weit von Kanyosha entfernt ist.
Zurzeit ist bei Verena Besuch aus den Niederlanden. Ein Mann Namens Arend van Herwijnen.. Er arbeitet für eine Fima, die sich „pum“ nennt. Dort arbeiten Menschen unendgeldlich, die eigentlich schon im Ruhestand sind und gerne ihr Wissen und ihre Fähigkeiten an andere weitergeben wollen. Er ist Techniker und soll Verena beratend zur Seite stehen was das Chez André anbelangt. Ich habe mich heute morgen schon mit ihm unterhalten. Er scheint sehr nett zu sein. Ich bin gespannt, ob er helfen kann das Restaurant aufzupeppen.
So für heute soll es reichen. Ich muss noch zu einem Gespräch mit Verena und einem Schüler aus ihrer Schule.
Bis bald eure Nadine

Umzug

September 12, 2007

Haaaaallooooo zu Hause!! Ich komme gerade vom Markt, habe den Kindern Bananen gekauft und die ganze Ladung direkt oben abgeliefert. Jetzt bin ich im Chez André. Gestern Morgen haben wir angefangen mit den Arbeiten im neuen Heim in Kanjosha. Um 10 Uhr wollten wir 8 große Jungs aus dem Centre Birashoboka abholen, damit sie uns helfen Aus 10 Uhr wurde dann halb 12 weil der Chauffeur so spät war und wir noch Farbe und Pinsel für die Betten kaufen mussten. Als wir im Heim angekommen sind hatten die Kinder schon die beiden Holzhäuser abgerissen,  die als Essensraum und Fernsehraum gedient haben. Bienvenu, der Heimleiter dort, meinte, dass die Jungs schon um 5 Uhr am Morgen damit angefangen haben. Es hat mich sehr gefreut zu sehen, dass die Kinder so fleißig und motiviert waren. Die Bretter wurden dann mit einem gemieteten Lastwagen transportiert, sodass wir auch im neuen Heim ein zusätzliches Gebäude bauen können.

Zusammen mit Ruth und Kerstin haben wir den ganzen Tag Betten angestrichen und den Platz für das Ess- und Hausaufgabenzimmer von Steinen und Dreck befreit. Am Nachmittag habe ich mit Cesar, dem Trommellehrer Brot und Cola für die gesamte Bande gekauft. Gegen 17 Uhr wurden wir abgeholt. Heute Morgen ging es dann weiter. Wir haben einiges geschafft. Dem Haus fehlt nur noch das Dach und die Betten sind fertig. Jetzt weiß ich sogar, wie man hier ein stabiles Holzhaus baut!! Kerstin und Ruth konnten heute leider nicht mithelfen, sie mussten um 9 Uhr in der Schule in Kajaga sein, um mit den Lehrern Deutschunterricht zu machen. Ich bin musste erst um 14 Uhr bei den Schülern sein. Der Unterricht war heute besser als das letzte Mal. Ich habe einen kleinen Test mit den Kindern geschrieben, schon ein komisches Gefühl selber zu unterrichten und nicht die Geprüfte zu sein. Einer der Schüler, Kadhafi wird leider Freitag das letzte Mal dabei sein. Er wird die Schule wechseln, weil seine Leistungen zu schlecht sind. Zum Abschied treffen wir uns Freitag nicht in der Schule, sondern am Strand um dort zuerst ein bisschen Unterricht zu machen und dann eine Cola dort zu trinken.

Gestern Abend haben wir fünf Mädels bei den Jungs gegessen. Jean, der verantwortlich ist für sie, hat bei unserer Versammlung am Montag angemerkt, dass die Jungs gerne auch mal mit uns essen wollen. Da wir sonst wirklich nur bei den Mädchen gegessen haben, sind wir dem Wunsch gerne nachgekommen. Es gab Isombe, Maisbrei und Bohnen, mhhhh sehr lecker.

Sonntag haben Kerstin, Ruth und ich einen Ausflug mit den Kleinsten aus dem Heim gemacht. Jonas, ein neues Kind, Vianney, Kiki und Gaston. Richard war leider nicht dabei, weil er in der Kirche war. Wir sind mit ihnen an den Strand gefahren. Ich denke manchmal ist es ganz gut die Kleinen alleine mitzunehmen. Wenn die Großen dabei sind bekommen sie nie die volle Aufmerksamkeit. Seitdem ist Kiki auch aufgetaut. Vorher hat sie sich immer versteckt und war ganz schüchtern, jetzt sitzt sie bei uns in der Küche und plappert vor sich hin. Eigentlich ist sie auch alles andere als schüchtern, sogar ganz schön frech für ihr Alter. Sie ist drei, wird aber in drei Monaten vier.

Gestern Abend hatte Doriane wieder einen Anfall. Warum wissen wir nicht. Sie hat sich in ihrem Zimmer verschanzt und die Tür zugehalten und dabei laut gebrüllt und geweint. Als Ruth und Kerstin hin sind, um nach ihr zu sehen, hat sie sich schnell beruhigen lassen. Danach hat sie ein bisschen geschlafen. Zum Glück ging es ihr später wieder besser. Sie hat sogar mit meiner Oma gequatscht als sie mich angerufen hat. Total süß, hat auch französisch und Kirundi „hallo“ gesagt und dann ihren Namen. Leider versteht meine Oma weder das Eine noch das Andere, aber der kleinen Maus hat es trotzdem einen riesigen Spaß gemacht. Manchmal reicht bei den Kindern ein kleiner Streit aus, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Bei Vianney ist es ähnlich. Die Vergangenheit der  Kinder kommt dann ganz plötzlich wieder hoch.

So ich werde mich jetzt mal wieder auf den Weg ins Heim machen. Vielleicht gehen wir heute Abend noch ne Runde Billard spielen und ein Bierchen trinken in der Kiriribar. Bis dahin fühlt euch gedrückt. 

September 8, 2007

Donnerstag 06.09.07

Am Dienstag haben wir uns für den Kirundikurs eingeschrieben. Ruth, Kerstin und ich werden ab dem 24.9. wenn alles gut geht anfangen. Es hängt nur davon ab, wie viel Leute sich melden. Wenn es nur wenige sind  wird die Zeit um einen Monat verkürzt. Der Kurs wird zweimal die Woche stattfinden, immer montags und mittwochs abends von 18:30 bis 20:00 Uhr. Ich hoffe wir werden einiges lernen, auch wenn für mich die Zeit hier schon bald vorbei sein wird nach dem Kurs. Ich werde versuchen meinen Rückflug auf Mitte Februar zu legen. Der Gedanke schon sobald wieder abzureisen gefällt mir gar nicht.

Am Abend habe ich lange mit den großen Jungs aus unserem Heim geredet. Langsam werden sie aufgeschlossener. Die Mädchen fragen uns jeden Tag, ob wir nicht mit ihnen essen wollen. Ich denke ihnen fehlt die Gesellschaft von Philipp beim Abendessen *g*. Es fällt uns schwer nein zu sagen, aber es geht nicht, dass wir ständig den Kindern was wegessen es reicht wenn wir uns ab und zu mal einladen lassen. Auch wenn eigentlich genug da ist, ist es besser wenn wir unser eigenes Essen kochen und in unserer Küche essen. Es spricht ja nichts dagegen danach zu den Kindern zu gehen um mit ihnen zu quatschen.

Imani hat die letzten zwei Abende damit angefangen die „Herr der Ringe“ Folgen zu zeigen, auf Französisch versteht sich. Selbst das verstehen zwar nur die großen, aber Bilder gucken ist ja auch spannend. Die Kinder freuen sich immer riesig, wenn sie neue Filme zu sehen bekommen. Leider funktioniert der Fernseher nicht richtig, sodass wir die Filme auf dem Laptop zeigen.

Gestern waren Kerstin, Ruth und ich in der Schule. Wir haben die Wand im Kindergartenzimmer vorgezeichnet. Ich wollte eigentlich parallel zu dem Deutschunterricht der Lehrer mit Lenas Schülern Deutsch machen, die sind aber leider anstatt um 9 erst um 14 Uhr da gewesen. Jetzt haben wir uns auf morgen 14 Uhr geeinigt. Ich hoffe es klappt.

Nachdem wir in der Schule waren haben wir die Straßenjungs besucht. Eigentlich wollten wir beim Umzug helfen, der ist aber auf Samstag verschoben worden, weil die Duschen im neuen Heim noch nicht fertig sind und es mit dem Strom noch Probleme gibt. So haben wir ein exklusives Trommelkonzert zusehen bekommen. Ich bin danach direkt mal Tamburinaire geworden. Ab jetzt zweimal die Woche Probe inklusive Tanz. Mal sehen ob ich mich nicht zu dumm anstelle.

Heute haben Kerstin und ich Englischunterricht dort gegeben mit 25 Kindern. Ab nächster Woche werden wir den Kurs teilen. Mal abgesehen davon, dass die Zahl sich von alleine schnell verringern wird machen wir einen Kurs mit denjenigen, die bei Philipp schon einiges gelernt haben und einen mit den Anfängern. Selbst Celestine die Krankenschwester aus Muyinga will mitmachen. Heute saß sie auch schon die ganze Zeit dabei und hat fleißig Vokabeln mit abgeschrieben. Ich freue mich schon auf die Fortschritte. Die Kinder sind sehr motiviert.

Nach dem Unterricht hatten die Jungs „Tanzstunde“. Wir haben mitgemacht. Fasts zwei Stunden ausgiebiges Training, ich kann euch sagen danach waren wir beide so was von fertig. Meine Beine werde ich morgen wohl nicht mehr ohne Schmerzen bewegen können!! Es hat sooo viel Spaß gemacht. Leider habe ich mich glaube ich noch ein bisschen dumm angestellt, aber das kommt schon noch. Gut das wir Emma hier oben im Heim haben der auch mitmacht. So können wir exklusiven Einzel-Nachhilfeunterricht bekommen.

Heute Nachmittag habe ich eigentlich die meiste Zeit mit warten verbracht. Das Motorrad war kaputt und ich habe auf einen bekannten gewartet, der mir das Ding wieder fitt gemacht hat. Als er dann da war ging es eigentlich auch relativ schnell. Danach bin ich dann voll beladen mit 13 Ananassen nach oben gefahren und habe noch das letzte Volleyballspiel mitspielen können. Ruth und Kerstin haben schon vorher angefangen. Eigentlich wollten sie mit den Mädels Basketball spielen, aber das Feld war belegt.

Laura hat jetzt Internet hier oben!! Schade das es bei mir nicht geklappt hat. Mir hatte auch jemand so eine Karte versprochen und jetzt habe ich sie doch nicht bekommen. Das Gerät kostet etwa 130.000 FBU und man kann die Karte dann beliebig wie eine Handykarte auflande. Das geht schneller und ist günstiger als normales Internet hier. Mal sehen vielleicht finden wir ja eine Lösung und ich beteilige mich an dem Ding und ich kann dann auch ab und zu von hier oben aus ins Netz für mich alleine ist mir so was zu teuer.

So ich werde jetzt mal duschen gehen, leider ist es schon reichlich spät, was die kalte Dusche nicht besonders attraktiv macht…aber  ich hab’s wirklich nötig J

Bis dahin also!!!

 

Sam, 8.09.
War grade im Straßenkinderheim. Seit 9:30. habe meine erste Trommelstunde bekommen. Ich sags euch das mach soooo viel Spaß!!! Jetzt nutze ich die ruhige Mittagszeit um den Text ins Netz zu stellen. Heute Mittag ist Sport mit den Kids oben angesagt und heute Abend sind wir bei Thomas eingeladen einer von den Bodyguards hier. Haben ihr gestern Abend im Toxic getroffen. Er ist wirklich sehr nett. Ich mal gespannt wie die Party wird. Ich denke mal fast nur Weiße…Naja mal sehen bisher habe ich mit solchen Partys hier eher nicht so gute Erfahrungen gemacht, sind ein bisschen langweilig. Morgen gehen wir dann endlich mal wieder an den Strand wenn das Wetter gut ist. Am Montag ziehen die Straßenkids dann endgültig um nach Kanyoscha. Also ich melde mich bald wieder.

 

Tschöööhöööö

 

 

 

 

 

Für den Überblick

September 4, 2007

Die Fondation Stamm, gegründet von Verena  Stamm, kümmert sich um Waisen und Straßenkinder, sowie um junge Mütter die alleinerziehend sind. Des Weiteren wird im Moment eine Schule errichtet. Dort sollen 1000 Kinder zur Schule gehen und etwa 40 Kinder den Kindergarten besuchen können. Wer sich genau über die Fondation informieren will sollte sich unbedingt die Seite www.burundikids.org ansehen!! Das erspart mir alles doppelt aufzuschreiben und ist zudem präziser.

In Bujumbura gibt es drei Heime in denen ich hauptsächlich arbeite. Zum einen das Centre Uranderera in dem wir auch wohnen und das für Aidswaisen, Kriegswaisen und Kinder offen steht deren Mütter einen neuen Mann geheiratet haben. Es ist leider oft so, dass die neuen Ehemänner die Kinder aus erster Ehe nicht akzeptieren und die Mütter erst eine Chance auf eine Widerheirat haben, wenn sie die Kinder abstoßen. Das Centre Uranderera befindet sich in einem der reichsten Viertel der Stadt. Ein krasser Kontrast zu der Lebensgeschichte der Kinder. Für ihr weiteres Leben außerhalb des Heims bedeutet das jedoch auch, das sie sich umstellen und darüber im Klaren sein müssen, dass sie wenn sie das Heim eines Tages verlassen unter anderen umständen leben müssen. Die meisten Kinder hier sind sehr wissbegierig und haben Spaß am lernen. Ihnen ist bewusst, dass die Bildung ihre einzige wirkliche Chance auf ein besseres Leben ist.

Das Zusammenleben mit den ca.65 Kindern hier ist ein richtiger Fulltimejob. Als ich angekommen bin waren es nur 20, aber jetzt neigen die Ferien sich dem Ende entgegen und diejenigen die in den Ferien bei Verwandten waren kommen zurück. Vielen von ihnen hat der Aufenthalt bei den Familien nicht so gut getan. Sie kommen viel dünner und oft krank zurück. Trotzdem ist es wichtig den Kontakt zu den  Familien aufrecht zu halten und zu beobachten wie die Situation in den Heimatorten sich verändert. Das Ziel des Heimes hier ist es schließlich auch die Kinder wieder zu reintegrieren solange die Umstände es erlauben. Manchmal verfügen die Mütter die neu geheiratet haben auch über ein gewisses Einkommen und es ist eigentlich angebracht dass sie in diesen Fällen ihre Kinder finanziell unterstützen. Jedes Kind hier das von der eigenen Familie unterstützt werden kann ist eine Entlastung für die Fondation. Verena zahlt essen, Kleidung, Schulgelder, Schulhefte und Stifte, Krankenhausaufenthalte und vieles mehr.

Jetzt wo alle wieder ankommen haben wir Kinder hier im Alter von 3 bis 22 Jahren. Dabei ist die älteste eine Ausnahme. Sie hat Probleme in der Schule und schafft es nicht sich eigenständig zu versorgen. Verena unterstützt sie zwar weiterhin, doch muss auf Dauer eine Lösung für dieses Problem gefunden werden. Es ist allgemein so dass die Kinder hier erwachsen werden und irgendwann das Heim verlassen müssen. Es gibt jedoch keine feste Regelung wann oder in welchem Alter genau das passieren soll. Im Heim lernen die Kinder zwar eine gewisse Verantwortung gegenüber den jüngeren aber sie befinden sich doch immer in einer Art Schutzraum der es ihnen erlaubt das Erwachsenwerden aufzuschieben.

Verena wird in kürze jedoch ein Haus in der Stadt mieten um dort die älteren Kinder unterzubringen. Zunächst werden dort wohl erstmal die großen Jungs aus dem Straßenkinderheim leben, aber es ist möglich dass sich eine ähnliche Lösung für die jungen Erwachsenen hier ergeben wird. Letztlich ist all das eine Kostenfrage und abhängig von den Mitteln die der Fondation zur Verfügung stehen. Es ist nur verständlich das Verena diejenigen die sie seit mehreren Jahren begleitet nicht einfach so vor die Tür setzten, sondern sie auf ihrem weitern Weg begleiten will.

Jetzt zurück zu unserer Wohnsituation hier. Ich lebe hier mit 4 andren jungen Frauen. Ruth und Kerstin absolvieren hier ihren Freiwilligen Dienst. Sie werden ein Jahr bleiben, genau wie Lena, Julia, Marie und Philipp vor uns. Imani und Laura sind überraschender Weise auch noch dazu gestoßen. Sie werden uns hier bei der Arbeit mit den Kindern unterstützen, sind aber ohne eine Organisation hierher gekommen. Sie wollen einfach ein Jahr hier verbringen um Land und Leute kennen zu lernen und um zu helfen. Wir alle bewohnen einen der drei Bungalows auf dem Gelände. Die beiden anderen werden jeweils von den Mädchen und Jungen bewohnt. Bei den Jungen wohnt noch ein Betreuer und bei den Mädchen die Heimleiterin Claudhilde und eine zweite Betreuerin. Sie sind für die Kinder verantwortlich und kümmern sich um sie.

Das zweite Heim hier in der Stadt ist das Centre Birashoboka. Dort leben 130 Straßenkinder, nur Jungs. Es ist zu Fuß etwa 30 Minuten von uns hier oben entfernt. Leider müssen die Kinder bald in ein anderes Heim umziehen, da die Miete erhöht wurde. Das neue Heim liegt weiter vom Stadtkern entfernt und ist wesentlich kleiner als das alte. Um das Platzproblem zu umgehen wird Verena für die Großen ein Haus in der Stadt mieten wie ich bereits erwähnt habe. Für die Kleinen müssen dann neue Schulen in der Nähe gesucht werden denn der Weg zu den Vorherigen wäre zu weit und es ist zu teuer die Kinder mit dem Bus zu schicken. Ich bin gespannt wie es nach dem Umzug sein wird.

Das dritte Heim befindet sich in Kamenge, ein Stadtteil von Bujumbura. Dort leben Mütter zwischen 13 und 18 Jahren mit ihren Babys. Ab Mitte September wird auch dort wieder ein Kindergarten sein, der offen für die anderen Kinder des Viertels ist. Dort werden wir zu dritt einmal die Woche die Kindergärtnerin unterstützen und Anregungen für die Förderung der Kinder geben.

Es ist Verena wichtig den Kindergarten für Außenstehende zu öffnen, da das Ansehen der Frauen die im Heim wohnen nicht das Beste ist und Verena vermeiden will, dass die Menschen der Fondation und speziell den Frauen mit Argwohn und Abneigung begegnen. Durch den Kindergarten eröffnet Verena den anderen Müttern die Möglichkeit das Heim als positiv und nützlich zu betrachten und somit auch den Kontakt zu den dort lebenden Frauen zu verbessern.

 

Heute habe ich das erste Mal mit ein paar Jungs aus dem Straßenkinderheim am Laptop gearbeitet. Philipp hat damit angefangen und sie wollen es gerne weitermachen. Vielleicht ergibt sich auch bald die Möglichkeit einen Computer im Heim zu installieren. Das wäre hilfreich, weil auf meinem Laptop alles auf Deutsch und die Tastenkombination andres ist.

Die Kinder sind alles noch traurig weil die anderen weg sind, es geht aber mit jedem Tag besser und wir haben alle das Gefühl akzeptiert zu werden. Mir ist wichtig, dass die Kinder wissen, dass wir für sie da sind und das sie immer zu uns kommen können wenn sie Sorgen haben und reden wollen. Ich denke wenn wir uns auf sie einlassen und zuhören bekommen wir alles doppelt und dreifach zurück.

Gestern haben wir mit den Jungs aus unserem Heim Volleyball gespielt und Vorgestern habe ich das Planschbecken aufgebaut für die kleinen. Das Wetter ist seitdem ein bisschen schlechter geworden, es ist bewölkt und es hat vereinzelt geregnet.

Heute Abend hat Julia angerufen und ich habe sie an ein paar Kinder weiter gegeben. Anita hatte danach Tränen in den Augen. An EUCH: Ihr werdet ganz doll vermisst, genau wie ihr die Kinder vermisst!!!! Wir tun unser Bestes um zu trösten und abzulenken. Alan hat die Gitarren hier gestimmt als er heute Morgen da war, und wir haben mit Dorine gesungen, Gaston kommt ganz oft kuscheln ist abends aber auch hundemüde und weint manchmal wegen einer Kleinigkeit ist aber schnell wieder zu beruhigen. Dorianes Bein ist ein bisschen schlimmer geworden, an zwei kleinen Stellen ist es wieder offen. Ich denke das kommt vom Abschiedsstress. Ich creme fleißig ein! Claudhilde hat sich die Haare wieder ausgekämmt, ganz ungewohnt für mich ich kenne sie ja nur anders. Epiphannie ist wieder da. Lena, ich hab ihr die Tüte gegeben, sie hat sich sehr gefreut. Leider ist sie ein bisschen krank. Nase zu und so, aber nichts Schlimmes. Vianney kümmert sich rührend um den Neuen Jonas. Ich denke sie sind etwa im gleichen Alter und Vianney tut es gut einmal einen Schützling zu haben. Von den großen Jungs hört und sieht man nicht ganz so viel. Emma hatte gestern den ganzen Tag schlechte Laune. Ich denke seiner Mutter geht es wieder schlechter. Die Schwester war auch schon wieder da um Bericht zu erstatten.

Gestern Abend hatten wir eine Versammlung zusammen mit Imani und Laura. So konnten sie sich Jean, Kingkong und Claudhilde vorstellen. Wir haben gemeinsam beschlossen die Zimmer bei den Jungs zu streichen, ich hoffe wir bekommen morgen die Farben.

Ihr vier fehlt mir hier, ich denke viel an euch. Das bleibt auch nicht aus, denn wenn ich in die Gesichter der Kinder gucke sehe ich euch. Ihr habt sehr viel hier gelassen und sehr viel bewirkt, ihr werdet immer in den Herzen der Kinder sein!!

 

schon 6 Wochen…

September 2, 2007

Jetzt bin ich schon 6 Wochen hier in Burundi und entdecke jetzt erst die Möglichkeit einen Weblock einzurichten. Eigentlich hatte ich das am Anfang auch garnicht vor, aber jetzt denke ich mir, dass ich einfach mehr Leute erreichen kann wenn ich meine Erlebnisse ins Internet stelle.

Wie ihr seht habe ich links zu Ruths und Kerstins Seiten hinzugefügt, wer Lust hat kann ja mal vergleichen inwiefern die Eindrücke unterschiedlich  auf uns wirken.  Ich habe schon ein paar Rundmails geschickt, werde aber nochmal ausführlich alles berichten für diejenigen, die von meiner Eingewöhnungszeit hier noch nichts gelesen haben. Ich werde mich beeilen den ersten längeren Eintrag zuschreiben!!

Bis dahin alles Liebe Nadine

Hello world!

September 2, 2007

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