Hallo zu Hause,
gestern war der große Besuch in Kanyosha. Zuerst haben die Jungs den norwegischen Prinz am Flughafen mit ihrern Trommeln begrüßt und danach war dann eine Pressekonferenz, Tanz und Besichtigung im Heim angesagt. Die Kinder haben das Heim wunderschön geschmückt mit Blumen und Tüchern. Überall standen Polizisten und Journalisten die das Heim überfluteten. Ganz schön aufregend für das ganze Viertel und vor allem natürlich für die Kinder. Haben ja alle mitbekommen das wichtiger Besuch da war. Verena hat am Schluss nach dem Gespräch sogar zusammen mit dem Prinz in der Mitte des Platzes getrommelt. Leider kann ich über die Inhalte der Gespräche nichts schreiben, weil ich immer zu weit weg war. Verena meinte aber, dass der Prinz sehr zufrieden war und sich wohl gefühlt hat. Er hat sich am Ende bedankt und die Arbeit der Fondation gelobt. Es waren auch zwei der Mütter aus Kamenge dort um mit ihm zu reden.
Am Samstag war ich den ganzen Tag mit Khadja-nin und ihrem Mann unterwegs. Zuerst waren sie im Chez André, dort haben wir uns lange über verschiedene Projekte unterhalten und neue Ideen entwickelt. Gegen Mittag bin ich dann mit Celestine und dem Geld für die Schuhe auf den Markt gegangen. Dort musste ich mich dann zuerst im Hintergrund halten, weil der Preis für die Schuhe sonst viel zu hoch gewesen wäre. Immer wenn die Händler Weiße sehen steigen die Preise explosionsartig. Als sie dann den Preis verhandelt hatte bin ich dazu gekommen um die Größen und die Anzahl der Schuhe anzugeben. Der Typ hat vielleicht blöd aus der Wäsche geguckt und war zudem auch ziemlich böse glaube ich. Er hat sich verständlicher Weise verarscht gefühlt und hat dann voll lange gebraucht um uns alles zu geben und war die ganze Zeit am Meckern. Es wäre fast soweit gekommen das er uns die Schuhe nicht mehr verkaufen wollte. Gott sei Dank hat er es sich dann doch anders überlegt, wäre ja auch blöd von ihm sich den Verkauf von 31 Paar Schuhen entgehen zu lassen. Insgesamt waren wir 2 Stunden auf dem Markt, ziemlich anstrengend, es war zudem noch super heiß am Samstag und der Markt war total überfüllt.
Da muss ich unbedingt noch von einem tollen Ereignis berichten!! Ich habe, nachdem wir die Schuhe gekauft haben, noch ca. 45 Mintuen draußen am Taxistand auf Celestine gewartet, weil sie noch einen Fußball kaufen musste. Die ganzen Straßenkids die immer überall rumspringen haben mich wie üblich angesprochen und nach Geld gefragt. Da ich grundsätzlich nie Geld gebe, weil es einfach ungerecht wäre nur einem Kind etwas zu geben, hat sich der Großteil schnell verzogen. Einige sind jedoch bei mir stehen geblieben und wir haben uns ein bisschen auf Kirundi unterhalten. Sehr schwer aber es ging. Kurz bevor ich dann gefahren bin hat mir einer von den Jungs ein Bonbon geschenkt!!!! Ich habe meinen Mund fast nicht mehr zubekommen so überrascht und erstaunt war ich. Ich hätte den am Liebsten geknuddelt und ihm doch noch Geld gegeben. Ich habe mich so geärgert, dass ich wirklich nichts in der Tasche hatte. Normalerweise habe ich immer irgendwas dabei. Brot oder Obst vom Markt oder eben auch Bonbons.
An diesem Beispiel kann man mal wieder sehen wir gutherzig und offen die Kinder hier trotz ihrer Armut sind. Er hat sich bestimmt einfach wahnsinnig gefreut, dass ich mich mit ihm unterhalten habe und das auch noch auf Kirundi. Naja ich weiß nicht ob ich meine Gefühle, die ich in dem Moment hatte richtig rüber bringen kann. Es war einfach wunderschön!
Danach hat uns Khadja-nin dann zu sich ins Hotel zum Essen eingeladen. Sie ist wirklich super nett und überhaupt nicht arogant oder unnahbar. Ganz im Gegenteil. Wir haben uns richtig amüsiert! Gegen 16 Uhr sind wir dann nach Kanyosha um die Schuhe zu verteilen. Dort haben alle Kinder Schuhe bekommen, die noch keine hatten. Für viele Neue ist das das erste Mal, dass sie überhaupt eigene Schuhe besitzen. Sie haben die neuen Errungenschaften abgeknutsch und haben dabei Luftsprünge gemacht! Deswegen wollten wir auch das Khadja-nin ihre Spende selber verteilt. Es ist doch das schönste zu sehen, wie die Kinder sich freuen. Zum Schluss hat sich auch für mich noch was ergeben. Und zwar würden Khadja-nin und ihr Mann von einem Mädchen begleitet die Lisa heißt. Sie ist 24 Jahre alt, Französin und hat Jura studiert. Jetzt ist sie in Burundi und plant innerhalb von einem halben Jahr verschiedene Praktika zu machen. Sie beginnt diese Woche in Ryigi. Dort ist der Sitzt von Maguerite Barankitese. Eine sehr bekannte Frau die sich seit Jahren um die Bedürfnisse von Waisen Armen und Kranken kümmert. Lisa hat mich gefragt ob ich nicht Lust hätte sie während ihres 3 wöchigen Aufenthalts dort besuchen zukommen. Ich habe zugestimmt und werde wohl im Laufe der nächsten Woche die Busreise dorthin antreten. Der Ort liegt im Inneren des Landes. Ich freue mich wahnsinnig darauf und hoffe viele neue Anregungen und Erfahrungen sammeln zu können.
Außerdem haben wir Zuwachs im Heim!! Seit gestern kann ein Zwillingspärchen das „Centre Uranderera“ sein Zuhause nenne. Die beiden sind etwa 2 Monate alt, genau kann man es nicht sagen, weil wir keine Mama zu den Babys haben. Der Junge und seine Schwester wurden im Inneren des Landes in der Nähe von Gitega in einem Gebüsch gefunden. Die Leute die sich in den ersten Tagen um die beiden gekümmert haben, haben sich an Verena gewandt und um ihre Aufnahme gebeten. Jetzt hat Verena eine Frau eingestellt, die sich um die zwei kümmert und mit ihnen in einem Zimmer bei uns Zuhause wohnt. Vielleicht finden wir irgendwann eine Pflegefamilie, aber bis es soweit ist bleiben sie bei uns. Kerstin und ich habe uns schon den ganzen Morgen um sie gekümmert. Da will man ja am liebsten gar nicht mehr weg!! Naja aber die anderen Arbeiten dürfen ja auch nicht liegen bleiben. Wir bringen jetzt gleich noch Babysachen ins Heim und danach fahren wir nach Kamenge zu den Müttern dort.
Diese Woche begann mit dem Besuch von „Khadja-nin“ im Straßenkinderheim und in Kamenge. Sie ist eine burundische Sängerin, die in Monaco lebt und recht bekannt ist. Sie hat die Heime mit Unicef zusammen besucht. In Kanyosha haben die Jungs ihre Besucher mit Trommeln und Tanz begrüßt. Khadja-nin war zu Tränen gerührt und hat das ganze Spektakel klatschend und tanzend verfolgt. Einige der Jungs sangen dann noch selbst einstudierte Lieder und spielten dazu Gitarre. Zu ihrer großen Freude sangen sie einleitend eines von Khadja-nin’s Liedern. Die Kinder und Verena wurden später von den Reportern interviewt und die Sängerin plauderte noch bestimmt 30 Minuten im gemütlichen Stuhlkreis mit den Kids. Eine ihrer Fragen war: „Was wünscht ihr euch denn so?“ Tja wie konnte es anders sein, die Jungs wollten natürlich Schuhe und ´nen Fußball. So kommt es, dass ich am Samstag mit Khadja-nin, ihrem Ehemann, dessen Tochter und Bienvenu, dem Heimleiter, auf den Markt gehe, mit einer sehr langen Liste, um Schuhe für die ganze Mannschaft kaufen zugehen. Das kann was werden sag’ ich euch! Ich freu mich wahnsinnig darauf den Jungs dann die Ladung Schuhe ins Heim zu bringen. Das ist so großzügig von ihr! Auch wenn jetzt vielleicht viele sagen „naja die hat ja auch genug Geld“. Es gibt genug Menschen auf die das zutrifft und die trotzdem nichts tun. Außerdem wird die Fondation Stamm noch eine Geldspende von ihr und ihrem Mann bekommen. Er war heute im Chez André und wir haben uns recht lange unterhalten, sodass ich mir einen Eindruck von seiner herzlichen Art machen konnte. Ich bin mal gespannt wie viel sie spenden werden.
Dienstag waren Kerstin und ich in Kamenge bei den Mamis. Wir werden jetzt jede Woche hinfahren. Wir wollen dort so eine Art Spielgruppe machen um das Mutter-Kind Verhältnis zu verbessern und um den Müttern zu zeigen, dass ihre Kinder nicht nur lästige Anhängsel sind. Wir werden zusammen malen, basteln und turnen und wir hoffen das diese Aktivitäten den Müttern und Kindern Raum geben für eine schöne gemeinsame Zeit ohne Stress und Druck. Ich hoffe wir können das so umsetzen wie wir uns das vorstellen.
Im Heim zu Hause läut auch alles gut. Wir haben gestern neue Regeln aufgestellt, bzw Regeln aufgefrischt die schon bestanden. Die Kids sind einfach zu chaotisch geworden. Jetzt gibt es einen festen Spielzimmer-/Musik-/und Fernsehplan. Der Lehrer der im Heim arbeitet hat auch feste Zeiten in denen er die Hausaufgaben mit den Kindern machen muss und wir hoffen, dass jetzt bald wenn der Streik vorbei ist wieder Ordnung einkehrt. Naja Ordnung ist ja bei 65 eh zuviel gesagt, aber das ist gar nicht schlimm. Komplett ohne Trubel wäre ja langweilig!!
Wir haben auch Fotos von Philipp verteilt. Leider waren nicht für alle Kinder welche dabei. Dafür sind vielleicht noch welche von Julia dabei für diejenigen die noch keine haben. Ihr Paket ist heute angekommen. Die Kids werden sich wahnsinnig freuen!! Danke auch für deinen Brief und die Schokolade liebe Julia, du weißt eben am besten an was es einem hier mangeltJ!!! Das Paket das wir mit Ketten und Souvenirs von hier nach Deutschland schicken geht heute Mittag raus denke ich. Darin sind Dinge die Philipp und Lena bei Vorträgen und auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen wollen. So hoffen wir auf einen Gewinn der den Kindern hier zu Gute kommt.
Tja soweit war’s das erstmal wieder mit Neuigkeiten. Am Montag werde ich wieder neues berichten können, denn am Wochenende ist hier Bierfest wie beim Oktoberfest. Organisiert wird es von einem Deutschen. Ich bin mal gespannt wie es wird und hoffe auf gemischtes Deutsch/Burundisches Publikum. Außerdem kommt am Montag der Prinz von Norwegen mit seiner Frau ins Straßenkinderheim. Es steht ein riesiger Empfang am Flughafen an, bei dem die Jungs trommeln und danach wird eine Führung durch das Heim, inklusive Pressekonferenz, gemacht!!
Vorgestern war ich mit vier Mädels aus unserem Heim in der „Mühle“. Die Kinder müssen sich immer abwechselnd um den Einkauf des Mehls kümmern, aus dem dann der Maisbrei fürs Essen gemacht wird. An diesem Tag bin ich mit ihnen gegangen. Die „Mühle“ ist eine Standmühle, die im Garten eines normalen Familienhauses steht. Ich habe auf dem Fußweg dorthin immer nach einer größeren Mühle Ausschau gehalten und war dann ziemlich überrascht, als wir in dieses Grundstück eingebogen sind. Dort haben wir dann etwa eine Stunde gewartet bis der Mann des Hauses den Sack Mais zu Mehl gemahlen hat. Es hat mich sehr erstaunt zu erfahren, dass die Kinder diese Tour alle zwei Tage machen, weil das Mehl nur für anderthalb Tage, also drei Mahlzeiten reicht. Den schweren Sack haben wir dann in einer Schubkarre zurück zum Heim geschoben. Dabei haben sich die Mädels abgewechselt. Als ich ihnen sagte, dass ich aber auch schieben muss, weil ich ja schließlich mitgekommen bin und es nicht geht, wenn die vier sich abmühen und ich garnix mache haben sie sich zuerst geziert. Ich kann euch sagen ich war ganz schön erstaunt wie schwer das verdammte Ding war. Vor allem Bergauf!! Jetzt kann ich gut verstehen warum sie zu viert oder zu fünft losziehen um einen Sack Mehl zu holen. Ohne dass man sich abwechselt wäre es viel zu anstrengend! Zuhause angekommen habe wir dann unseren Beauty-Tag nachgeholt, der ins Wasser gefallen ist als Imani im Gefängnis war. Leider habe ich es nicht geschafft das früher nachzuholen… Naja nach getaner Arbeit also haben wir uns in ein Zimmer der Mädels zurückgezogen und uns gegenseitig Maniküre und Massage verabreicht. Die Mädels waren so happy! Ich denke das machen wir jetzt regelmäßig. Es kommt ja sonst nicht so oft vor, dass sie sich eincremen können, für sie ist das eben purer Luxus. Gestern Morgen war ich wieder im Kindergarten. Da Kerstin, Ruth, Imani und Laura mit Verena nach Ngozi gefahren sind war ich alleine oben. Habe mir schon Gedanken gemacht wie ich das Hinbekommen soll und was ich denn am Besten mache. Im Endeffekt ist alles gut gelaufen. Habe Malbücher und Buntstifte mitgenommen. Nach dem üblichen anfänglichen Chaos was das (gerechte) Verteilen angeht haben dann alle brav auf ihrer Bank gesessen und gemalt. Dabei haben mir Thierry, der Lehrer, und zwei Jungs aus dem Dorf geholfen. Es ist eigentlich immer so, dass, wenn wir da sind, unzählige Leute um das ganze Gebäude rum stehen und uns bei der Arbeit zugucken. Da habe ich mir gedacht: können ja auch mithelfen wenn sie schon da sind!! Die meisten Menschen dort oben haben noch nicht besonders viel Kontakt zu Weißen gehabt und sind verständlicher Weise super neugierig. Sie fragen sich, was wir denn da so anstellen und wollen alles ganz genau mitbekommen. Außerdem bringen wir ja regelmäßig interessante Sachen mit und vielleicht hoffen sie ja auch, dass was für die dabei abspringt. An den ersten Zwei Tagen dort oben war mir das richtig unangenehm so beobachtet zu werden, aber jetzt bemerke ich das schon fast nicht mehr. Gestern Mittag war ich dann in Buyenzi. Ich habe dort Cesar, den Trommellehrer der Jungs besucht. Wir hatten uns verabredet zum Französisch lernen. Er spricht nur Kirundi und Suaheli. Dazu ist es dann aber gar nicht gekommen. Ich denke es war ziemlich stolz, dass ich sein zu Hause besuche und hat mich allen möglichen Nachbarn vorgestellt. Buyenzi ist ein ziemlich armes Viertel und zuerst hatte ich Zweifel, ob es richtig wäre dorthin zu gehen. Ich wollte nicht, das die Mensche neidisch werden, oder denken ich hätte Geld dort gelassen. Das hätte dann nämlich sehr unangenehm werden können für Cesars Familie. Er hat jedoch alle Bedenken beiseite geschoben und so bin ich eben hingegangen. Ich habe ganz leckeres Essen bekommen: Maniocbrei mir kleinen Fischen aus dem Tanganyikasee! Beatrix, Cesars Frau und seine Kleine Tochter waren auch da. Zum Essen hat mir Beatrix ein traditionelles Tuch gegeben, das ich mir um die Hüfte binden sollte. Ich habe nachher raus gefunden, dass es hier so üblich ist, damit sich die Besucher nicht die Kleidung dreckig machen. Wie ihr mich kennt hätte es gut sein können das ich mich bekleckere, erstrecht weil wir im Sitzen auf dem Boden und mit den Händen gegessen haben, wie es hier bei den ärmeren Menschen normal ist. Ich bin ungefähr zwei Stunden dort geblieben. Die Zeit war wirklich schön und ich habe versprochen wiederzukommen. Heute habe ich mein Kleid und den Rock vom Markt abgeholt, die ich mir habe nähen lassen. Ich bin jetzt richtig afrikanisch*g*. Heute Mittag geht’s ab nach Kajaga in die Schule.
Nach einem schönen Wochenende hat auch die nächste Woche gut angefangen. Am Sonntag haben Kerstin und ich mit unseren Englischschülern im Straßenkinderheim die Simpsons auf Englisch geguckt. Leider fehlen mit Boxen für den PC sodass alle ganz leise sein mussten um alles zu verstehen. Danach habe ich noch Fotos vom Umzug mit ihnen geguckt. Ich hatte das Gefühl, dass die Fotos deutlich mehr Begeisterung ausgelöst haben als der Film…Kann ich auch gut verstehen, schließlich bekommen sie nicht so oft Bilder von sich selber zu sehen.
Am Montag war ich dann mit Kerstin im kindergarten auf „dem Berg“. Wir haben Bauklötze mitgenommen und zwei große Matten zum drauf sitzen. An diesem Tag waren nicht alle Kinder da. Es fehlten ungefähr 10, was bei einer Menge von 50 nicht wirklich viel ausmacht, auch wenn es natürlich im Nachhinein etwas entspannter war so zu arbeiten. Da im Moment die Lehrer der Sekundarstufe streiken (wollen mehr Geld) haben auch die Eltern der Kleinen gedacht, dass sie ihre Kinder nicht schicken müssen. Eine Versammlung zur Aufklärung dieses Missverständnisses steht aber in den nächsten Tagen an!
Wir haben also die Schulbänke zur Seite geräumt und die Matten ausgerollt. Als ich die Bauklötze in die Mitte geschüttet habe sind alle ganz wild durcheinander gelaufen und haben sich die Taschen und Kleidchen voll gestopft um damit raus zu rennen!! Kerstin, die in der Mittte des ganzen Durcheinander gesessen hat war gar nicht mehr zu sehen geschweige denn das eine von uns auch nur den Mund aufbekommen hätte um die Kinder aufzuhalten. Wir waren einfach nur total verdutzt!! Thierry, dem Lehrer, sein Dank das alle nach kurzer Zeit wieder zurück waren inklusive Bauklötze! Dann mussten wir den Kids erstmal erklären, das sie die Sachen die wir mitbringen nicht hamstern müssen, weil wir ja wiederkommen und Teilweise auch Spielzeug für sie in dem Dorf lassen werden. Nach dieser Aufregung haben die Kleinen dann 2 Stunden lang hochkonzentriert und begeistert Türmchen, Häuser und andere Gebilde gebaut. Ich habe tolle Fotos gemacht, vielleicht schaffe ich es ja irgendwann mal mit dem Hochladen. Leider dauert das ewig und mir fehlt die Geduld dazu…
Letzte Woche haben wir mit den Kindern gemalt und Ruth und Kerstin haben ein großes Tuch mit den Handabdrücken und Namen aller gemacht. Das hängt jetzt in dem Raum und macht ihn ein wenig gemütlicher. Ich hoffe es wird nicht geklaut. Leider Kann man den Raum nicht verschließen. Außerdem hat er eh keine Fenster die verschließbar sind. Wenn man also die Tür zumachen würde, könnte jeder durch die Öffnungen die als Fenster dienen, einsteigen. Gestern Mittag war ich dann wieder in Kanyosha. Cesar der Trommellehrer hat die Trommel repariert. Das Geld für die Felle haben die Kinder selber durch Auftritte verdient. Ich finde es wichtig, dass sie auch ihren Teil dazu beitragen. So sehen sie, das sie auch selber dazu in der Lage sind Geld zuverdienen und es sinnvoll anzulegen.
Die 8 großen Jungs aus dem Straßenkinderheim, die nach Kamenge in ein eigenes kleines Häuschen umgezogen sind müssen das jetzt auch verstehen. Verena hat ihnen dieses Haus gemietet, damit sie lernen selbstständig zu leben. Ich habe sie letzte Woche besucht und wurde direkt bombardiert mit: „Wir brauchen eine Lampe um Abends lernen zu können, wir brauchen einen Tisch und Stühle, wir wollen eine CD aufnehmen, wir wollen Fotos machen, kannst du uns Kameras kaufen?“ usw.. Wir haben uns auf folgendes geeinigt: Ich leihe ihnen meine Kamera für einige Anlässe. Sie wollen, gegen Bezahlung, Portraitfotos von Leuten machen. Wenn das funktioniert und ich sehe, dass sie Geld damit verdienen, kaufen wir eine Kamera. Wenn die dann die Hälfte von dem Geld, das sie für die Aufnahmen ihrer Lieder brauchen, zusammen haben, geben wir den Rest dazu. Das ist soweit erstmal nur eine Idee, ich hoffe es wird sich so umsetzen lassen. Das Problem mit dem licht gestaltet sich schon ein bisschen schwieriger. Batterien halten nicht lange genug und Petroleum stinkt zu sehr. Da das Haus sehr klein ist (es besteht aus 2 Zimmern für 8 Jungs) staut sich die Hitze eh schon darin und die zwei kleinen Öffnungen (man kann sie kaum als Fenster bezeichnen) reichen nicht aus um die Luft vernünftig zirkulieren zu lassen. Naja aber alles in allem fühlen sie sich sehr wohl, sie haben ihre Ruhe und können sich frei bewegen und das ist ja erstmal viel wert besonders wenn man vorher immer mit 110 anderen Kids gelebt hat.
Gerade ist ein Haufen Pakete angekommen unter anderem eins von Marie!! Danke für die Schokolade (mit Nüssen!!!!), die wird sofort heute Abend gemeinsam mit Kerstin und Ruth vertilgt!! In den anderen Paketen sind tolle Medikamente gegen Malaria und vieles mehr. Verena hat sich sehr gefreut. Solche Sachen bekommt man hier einfach nicht.
Das Paket von Philipp und Lena ist auch endlich angekommen. Lena deine Fotos sind schon fast alle verteilt, Philipp deine werden wir gemeinsam mit Clothilde in den nächsten Tagen verteilen. Leider weiß ich noch nicht genau was sonst in dem Paket war, weil ich gestern nicht dabei war als es aufgemacht worden ist. Jedenfalls werden die Fotos die Kinder sehr glücklich machen!! Die Erinnerung an euch festgehalten auf einem Bild das sie dann auch noch behalten können ist was ganz besonderes!
Also dann sag ich mal:
Tuzosubira, eure Nadine
Lang ists her….
Oktober 9, 2007
Lang lang ist’s her, ich weiß, aber da mein Laptop kaputt war habe ich das Schreiben auf später verschoben. Ich sitze gerade am Pool am Tanganyika Club Hotel und genieße die Sonne. Sehr überraschend vielleicht, aber das gibt es auch hier. Wir haben ein deutsches Ehepaar kennen gelernt, das uns heute eingeladen hat im Pool zu schwimmen. Sie interessieren sich für unsere Arbeit und haben schon 100 Dollar gespendet für die Kinder das werden wir heute sofort in Schulhefte umwandeln und einen Teil an die Ernährungsstation weiterleiten. Vielen Dank für eure Unterstützung!!
Heute Morgen waren Kerstin und ich das erste Mal in der Schule oberhalb von unserem Heim. Diese Schule wurde Verena von einer Norwegischen Organisation überlassen die dort nicht länger tätig sein möchte. Das Gebäude wurde von ihnen errichtet. Die Schule besteht aus zwei Klassenräumen die durch Holzlatten von einander getrennt sind. Alles in allem ziemlich luftig. Nicht das ihr euch ein Gebäude aus Beton vorstellt. Man kann durch die Latten gucken und man hört eigentlich auch jedes Wort das in der Nachbarklasse gesprochen wird. Die Norweger haben jedoch das Interesse an diesem Projekt verloren und haben ihre Arbeit nun auf die ländlichere Region verlegt. Verena hat schon vorher mit den Menschen aus diesem Viertel gearbeitet und hat uns ihnen letzte Woche vorgestellt als wir die Schule besichtigt haben. Da ist uns dann die Idee gekommen dort einen Kindergarten zu machen. Die Kinder in der Schule sind alle zwischen 3 und vielleicht 15 Jahren alt, sodass es eigentlich unmöglich für nur eine Lehrerin ist dort vernünftig zu unterrichten. Außerdem waren in der Klasse rund 50 Kinder die ihre Aufmerksamkeit beanspruchten. Verena hat jetzt einen Lehrer für die Kleinen eingestellt und wir Kerstin, Ruth und ich wechseln uns mit der Arbeit dort ab, sodass jeden Tag jemand von uns dort ist um mit den Kids zu basteln oder zu malen oder Bewegungsspiele zu machen.
Es ist wirklich beeindruckend, wie sich die Landschaft verändert wenn man nur eine viertel Stunde weit aus der Stadt läuft. Die Schule liegt ganz nah, man muss nur den Berg hinter dem Heim rauf laufen. Von dort hat man einen fantastischen Ausblick über ganz Bujumbura, den See und die Berge vom Kongo. Heute hatten wir so klare Sicht, das sich auch die Farben der Felder, des Wassers und der Berge ganz deutlich von einander abgehoben haben. Nicht nur die Aussicht und die Landschaft dort oben sind anders, auch die Häuser und die Menschen unterscheiden sich sehr von denen aus unserem viertel. Sie leben in winzigen Hütten aus Planen oder in etwas größeren Holzhütten ohne Strom und Wasser. Verena hat dort mehrere stabilere und größere Lehmhütten bauen lassen, sodass die Situation schon besser geworden ist. Ich bin ziemlich froh, dass wir dieses Projekt jetzt begleiten können, weil es so ganz anders ist als die Sachen die wir sonst machen. Die Arbeit mit den Kindern im Heim ist zwar auch super, aber sie haben es ja eigentlich schon so gut im Vergleich zu den Kindern dort. Sie können in einem sauberen Bett schlafen und haben was zum anziehen. Die Kinder die um die Schule herum wohnen haben es da deutlich schlechter. Ich bin froh jetzt auch was für sie tun zu können. Durch den Kindergarten können auch viel mehr Kinder die Schule besuchen. Es haben dich jetzt schon doppelt so viele eingeschrieben wie vorher. Leider müssen wir die Anzahl der Kinder eingrenzen, da es eben nur zwei Räume gibt. Zumindest ist die Lehrerin jetzt entlastet und die Kinder können in zwei Altersgruppen eingeteilt werden.
Kerstin und ich haben heute mit ihnen Ball gespielt und aus Papier Bote gefaltet. Man hat gesehen, dass die Kinder so was zum Ersten Mal machen. Sie haben überhaupt nicht verstanden wie sie das anstellen sollen. Erst nach einer ganzen Weile haben einige es hinbekommen einen geraden Knick ins Papier zu machen. Das war vielleicht was!!! Gott sei Dank war der Kindergärtner die ganze Zeit dabei und konnte übersetzen. Die Kinder dort haben ja noch nie eine Schule besucht und sprechen kein Französisch. Unser Kirundi ist leider auch noch längst nicht ausreichend, auch wenn wir natürlich fleißig üben.
Letzte Woche Sonntag bin ich bis Mittwoch nach Gitega gefahren. Ich habe Thierry dorthin beleitet. Er ist ein Junge aus unserem Heim der gerne ins Internat wollte. Dank Ludwig Kamm und Schwester Candida hat er jetzt einen Platz in Bukirazasi, etwa 30 Km entfernt von der ehemaligen Hauptstadt Burundis.
Thierry und ich haben Sonntagmorgen um 8 Uhr den Bus nach Gitega genommen. Gitega liegt 102 Km entfernt. Man erreicht die Stadt über eine einzige asphaltierte Straße, die sich scheinbar endloslang die Berge hoch schlängelt. Die Landschaft entschädigt einen jedoch für jedes Schlagloch. Palmen weite Täler und ein Ausblick den man nicht mehr vergessen kann. Die Menschen die auf dem Land leben, haben eigentlich alle kein Auto, sodass sie ihre Ernte auf ihren Köpfen tragen oder auf Karren ziehen. Wenn sie Fahrräder haben dann wird dort so viel wie nur möglich drauf geladen. Es ist also nicht unwahrscheinlich das einem ein halbes Rind auf einem Gepäckträger begegnet. Um in die Berge nach Hause zu kommen ist es auch sehr beliebt sich seitlich auf die Stange seines Fahrrads zu setzen und sich dann einfach einen der vielen LKW zu hängen die sich langsamer den Berg hoch bewegen als Pickups und Motorräder. Das ist ein ganz schön witziges Bild, oft hängen hinter einem LKW 6 Jungs die sich ziehen lassen. Hier ist das noch nicht verboten, in Ruanda aber schon. Ich kann gut verstehen, dass die Leute es so machen, schließlich ist es deutlich schneller und weniger anstrengend. Auf der anderen Seite ist es so gefährlich wie wohl wenige andere Dinge. Die Gefahr überfahren zu werden nachdem man sich losgelassen hat oder zu stürzen ist einfach zu groß.
Als wir nach der 2 stündigen Fahrt angekommen waren sind wir zunächst zu Fuß mit Sack und Pack ins unser eigenes Heim, das Straßenkinder Heim, gelaufen. Dort leben zurzeit 13 Jungs. Das Haus bietet außerdem Platz für die Ausbildung von ca. 40 Mädchen und Jungen zur/zum Näher/in und Schreiner.
Am Mittag hat mich dann der Heimleiter, Ferdinand mit dem Motorrad zum Zachäus Heim gefahren. Es liegt genau auf der anderen Seite von Gitega. Dabei muss man bedenken, das Gitega quasi wie ein Halbkreis um das Tal in der Mitte gebaut ist. Es gibt in dem Tal nämlich keine Häuser und keine Straße, nur Felder. Die Häuser säumen die Hänge von zwei Bergen und um auf die andere Seite zu gelangen muss man eben dieser einen Straße folgen.
Das Zachäus Heim ist ein Heim für Körperbehinderte Kinder und wird von Nonnen geleitet. Unterstützung bekommt es durch Pastor Ludwig Kamm aus Tönisvorst und der dortigen Gemeinde.
Ich habe dort meine drei Nächte in Gitega verbracht. Hier möchte ich mich noch mal ganz herzlich für die Gastfreundschaft und die tolle Verpflegung bedanken die mir Schwester Candida, ihre Kolleginnen und die Kinder haben zukommen lassen! Die Kinder sind wirklich super, trotzt ihrer Behinderungen strahle sie soviel Lebensfreude aus. Oft haben die Kinder Beinprothesen, es fehlen ihnen Finger oder sie haben eine Missbildung des Rückens. Teils stammen die Behinderungen von Unfällen, teils sind sie während dem Krieg oder durch Aufstände entstanden. Es ist schon sehr schlimm sich vorzustellen was sie durchmachen mussten. Manchen Kindern wurden beispielsweise böswillig die Gliedmaßen abgetrennt.
Um so schöner ist es zu wissen, das diesen Kindern ermöglicht wird zur Schule zu gehen und eine Ausbildung zu machen, trotz Behinderung, was in diesem Land bei weitem keine Selbstverständlichkeit ist.
Am nächsten Tag wollten wir dann mit Thierry ins Internat. Leider hatte Candida eine Autopanne und die Fahrt musste auf Dienstag verschoben werden. Ich habe die Planänderung genutzt und bin zu Fuß in unser Heim spaziert. Dort habe ich mit den Jungs Dame gespielt und wir haben die Gegend erkundet. Dienstag ging es dann endlich los. Ich finde es schwer zu beurteilen wie Thierry sich gefühlt hat. Er ist ein ziemlich ruhiger Junge. Ich hatte aber das Gefühl das er sich gefreut hat. Schließlich war es sein sehnlicher Wunsch auf ein Gymnasium zu gehen und einen vernünftigen Abschluss zu machen. Ich hatte eine schöne Zeit mit ihm und wir haben verhältnismäßig viel geredet. Ich denke er wird es gut haben und nach seiner Eingewöhnungszeit auftauen. Die Kinder im Internat, Jungen und Mädchen, machten auf mich einen aufgeschlossenen und sympathischen Eindruck. Wie ihr seht mache ich mir ziemlich Gedanken darüber, ob es ihm gefällt und ob es ihm gut geht. Eigentlich brauche ich da keine Zweifel haben, aber da ich diejenige war, die den Kontakt zu Candida und Ludwig Kamm hergestellt hat und somit auch verantwortlich für Thierrys Umzug bin frage ich mich ob es alles so richtig war…Was gut ist, ist denke ich das er jetzt direkt in die 11 Klasse kann und die 10. nicht wiederholen muss. Außerdem kann er sein Abitur mit dem Schwerpunkt auf Sprachen machen und kann der Mathematik entkommen *g*.
Der abschied war für mich ganz schön schwer, als ich ihn da so zurück lassen musste, aber er kommt uns weihnachten ja schon wieder besuchen.
Am nächsten Tag bin ich dann mit meinen Gastgebern zurück nach Bujumbura gefahren. Abends waren wir beim deutschen Botschafter eingeladen um den Tag der Deutschen Einheit zu feiern. Es war eigentlich ganz amüsant. Vor allem weil mir aufgefallen ist wie viele Leute ich eigentlich schon kenne hier.
Zurzeit haben wir Besuch aus Deutschland. Eigentlich kann man das gar nicht so sagen, weil Kim und Tanja schon ein Jahr durch Afrika reisen mit ihrem Auto. Sie haben von uns über Paul und Maria gehört, die vor ca. einem Jahr im heim gecampt haben. Es ist für die Kinder ganz schön aufregend so ein Campingauto vor der Tür zu haben. Sie freuen sich ja sowieso immer über netten Besuch und haben die Beiden sofort herzlich aufgenommen. Kim und Tanja haben auch 50 Dollar gespendet. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an euch!
Gestern haben Ruth, Kerstin und ich Das Spielzimmer umgestaltet. Wir haben den Kindern eine Kuschelecke eingerichtet und es allgemein ein bisschen wohnlicher gemacht. Jetzt fehlt nur noch das geplante Wandbild.
Die Zimmer der Jungs, insgesamt 7, haben wir auch gestrichen und die Türen sind repariert. Jetzt haben sie wieder ein bisschen Ordnung in ihrem Zuhause.
Hinter dem Haus der Jungs entsteht im Moment unser Gemüsegarten. Der Zaun ist fertig, wir warten eigentlich nur auf den Regen, damit wir pflanzen können. Der Garten wird ziemlich groß und es ist genügend Platz für viele verschiedene Gemüsearten. Von unseren Vorgängern wissen wir, das Kürbis nicht gut funktioniert, Tomaten dafür umso besser… ich bin mal gespannt.
Natürlich ist in der ganzen Zeit in der ich nicht geschrieben habe noch viel mehr passiert. Ich denke aber das es jetzt erstmal an Infos reicht, soviel kann man ja gar nicht auf einmal lesen*g*.
Ich melde mich das nächste Mal pünktlicher,
bis dahin!
Eure Nadine