Hallo zusammen,
ich bin gestern Abend wohlbehalten aus den Bergen zurückgekommen. Von unserem Strandausflug mit den Kids könnt ihr auf der Seite von Kerstin lesen, ich überspringe den Anfang dieses Monats mal und berichte von meiner kleinen Reise.
Am Mittwochmorgen sind wir, Verena. Imani, Laura, Kerstin Ruth und ich gegen neun Uhr losgefahren. Unserer erster Stopp war nicht wie vorhergesehen in Ngozi, sondern schon nach 10 km auf dem Weg in die Berge. Grund dafür war das Kühlwasser bzw. das fehlende Kühlwasser *g*. Der Filter war irgendwie verdreckt und somit mussten wir alle paar km anhalten und Wasser nachfüllen. Nachdem es im Auto ohnehin schon ziemlich eng war, weil Verena ganz viele Pflanzen für ihr Landwirtschaftsprojekt mitnehmen musste, waren wir alle ziemlich platt als wir Mittags endlich in Ngozi ankamen. Dort haben wir dann das Heim und den neuen Kuhstall besichtigt und wir haben Kleidung an die Schüler verteilt. Außerdem haben wir Decken an die Feldarbeiter verteilt. Die arbeiten so hart. Ein riesen großen Feld pflügen die mit Hacken komplett um. Nicht einmal Ochsen oder so was haben die, weil ihnen die ohne Pflug ja auch nichts nützen. So schwere Arbeit kann sich bei uns glaube ich kaum einer vorstellen. Wenn man bei uns aufs Land fährt sieht man überall Traktoren und Maschinen, hier sieht man von weitem gar nichts auf den Feldern, erst wenn man näher ranfährt sieht man die Menschen arbeiten. Als Dankeschön für die Decken haben die Männer gesungen und traditionelle Tänze mitten auf der Straße aufgeführt. Dabei müsst ihr euch die Straße so vorstellen: Ein ewig langer Feldweg, rote Erde, Schlaglöcher überall und links und rechts Bäume, Berge und wahnsinnig viel Land.
Am späten Nachmittag gings dann weiter nach Muyinga. Als wir dort ankamen war es schon dunkel und es blieb nur noch Zeit um etwas zu essen. Kerstin und ich haben im Heim übernachtet und die anderen haben sich ein Hotel gesucht. Am nächsten Morgen galt unser erster Besuch den Pygmäen. Es ist wirklich kaum zu fassen wie die Leute dort leben. Erstmal war es super kalt, obwohl der Regen aufgehört hatte. Die Kinder liefen teilweise ohne Hose oder T-Shirt rum und haben gezittert vor Kälte. Die Pygmäen leben außerhalb von Muyinga, weil die von der restlichen Bevölkerung nicht akzeptiert werden. Ihre „Häuser“ sind kleine windige Hütten, die aus Blättern und Ästen gebaut werden. Es gibt nur einen einzigen „Raum“, indem Platz für die Familie und ihre Tiere sein muss. Alle schlafen auf dem Boden. Es wird dort auch gekocht und gegessen. Die Wasserstelle des „Dorfes“ liegt im Tal. Der Abstieg ist da noch kein Problem, aber vollbeladen mit Wasser gestaltet sich der Aufstieg ziemlich anstrengend. Die kleine Schule, die Dank der Fondation Stamm errichtet wurde, besteht aus großen Planen und bietet Raum zum Unterrichten von allen Kindern die dort leben. Bevor wir weiter fuhren haben zwei junge Männer auf einem Instrument gespielt, das ich noch nie vorher gesehen habe. Ein Brett mit unterschiedlich langen Nägeln dran, die man irgendwie anzupft. Keine Ahnung wie ich es beschreiben soll, jedenfalls hat es sich gut angehört und drei der Kinder haben dazu getanzt. Voll süße wie die sich in dem Alter schon bewegen können! Sie waren nicht älter als vier Jahre. Die haben den Rhythmus einfach im Blut.
Danach ging es dann zum nächsten Landwirtschaftsprojekt. Dort konnte ich auch endlich die Mützen verteilen, die ich von der Sparkasse Krefeld bekommen habe. Teilweise waren die Schüler da noch schärfer drauf als auf die Pullover die wir ebenfalls verteilt haben.
Auf den Feldern die die Schüler bewirtschaften, werden Gras für das Vieh, Erdnüsse, Bananen und vieles mehr angepflanzt.
Nachdem wir uns fast zwei Stunden dort aufgehalten haben, sind wir wieder zurück Richtung Muyinga gefahren um uns die Ernährungsstation anzuschauen. Leider ist sie im Moment „Außerbetrieb“ weil es an Geld mangelt. So konnten wir leider nur die Verlassenen Zelte sehen. Wir hoffen aber durch unsere Weihnachtsaktion auch einen Teil der Spenden in dieses Projekt stecken zu können, damit die Leute dort wieder versorgt werden können. Obwohl die Station im Moment nicht arbeitet fanden wir dort eine junge Frau mit ihrer Mutter vor. Als ich fragte was mit ihnen los sei, schob das Mädchen den Rock ihrer Mutter hoch und entblößte somit ihre geschwollenen und aufgeplatzten Beine. Die Frau saß im nassen Graß und man konnte ihr die Blutarmut deutlich ansehen. Sie war nicht in der Lage zu sprechen und somit erklärte uns die Tochter, dass es ihrer Mutter seit der Geburt ihres jüngsten Kindes vor zwei Monaten so schlecht gehe. Die Frau hat am ganzen Körper gezittert. So weit ab von der Stadt und ohne finanzielle Hilfe hatten sie keine Möglichkeit die Frau versorgen zulassen. Wir haben dann Geld gegeben, damit man sie ins Krankenhaus bringen und dort versorgen konnte. So schlimm es sich anhört, aber ich denke nicht, das sie es überleben wird. Sie war schon zu lange krank und die Krankenhäuser hier kann man auf deutsch gesagt so was von vergessen. Leider werden wir wohl nie herausfinden wie es ihr letztendlich ergangen ist.
Wir brachen auf Richtung Ruyigi, weil ich von Lisa eingeladen war, sie dort zu besuchen. Ich habe sie kennen gelernt, weil sie zusammen mit Khadja-nin das Straßenkinderheim besichtig hat. Sie kommt aus Paris und macht hier in Burundi ein Praktikum bei Maggy. Diese Gelegenheit wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Leider ist ihre Nummer mit meinem Handy zusammen geklaut worden, also sind wir auf Gutglück hingefahren. Gott sei Dank habe ich mich nicht wie zunächst geplant, alleine auf den Weg gemacht, denn als wir in Ruyigi angekommen sind und ich sie gefunden hatte stellte sich heraus, dass sie am nächsten Morgen fürs Wochenende nach Bujumbura fahren würde. Es wäre einfach zu langweilig in diesem Ort und sie würde es am Wochenende nicht aushalten.
Verena hatte mir angeboten mich zubringen, weil sie sich mit einem Mann in Cankuzo treffen wollte, der dort Flüchtlingsprojekte hat. Cankuzo liegt etwa eine Stunde entfernt von Ruyigi. Um dorthin zukommen mussten wir auf einer Landstraße fahren, die Durch einen Nationalpark führt. Die Straße war so dermaßen schlecht, dass wir die ganze Zeit durchgeschüttelt wurden. Ali unser Fahrer kam aber erst gar nicht auf die Idee das Tempo unter 50 h/km zu halten. Andere Leute bezahlen für so eine Erlebnistour bestimmt viel Geld. Cross im Affenzahn durch die wunderschöne Landschaft Burundis. Ich sag euch es hat einen heiden Spaß gemacht, auch wenn uns der Hintern nachher wehgetan hat… Wir haben sogar wilde Affen gesehen, eine ganze Familie. Ziemlich groß, leider weiß ich nicht welche Rasse.
In Cankuzo angekommen kam ich mir dann vor wie in einer verlassenen Westernstadt. So ein Dorf habe ich noch nicht gesehen vorher. Am Arsch der Welt könnte man sagen. Fehlten nur noch die Runden Grasknäuel die vom Wind über die Straßen getrieben werden. Nach einem kurzen Aufenthalt in diesem Örtchen ging es dann unverrichteter Dinge weiter nach Ruyigi. Der Mann den wir treffen wollten war nämlich gar nicht dort, sondern irgendwo anders. Er hatte uns den Weg falsch erklärt!
Nunja in Ruyigi haben wir dann alle zusammen im Hotel übernachtet und am nächsten Morgen haben sich unsere Wege getrennt. Die anderen sind über Muyinga zurück nach Buja gefahren und ich habe mich von Lisa bis Gitega mitnehmen lassen. Schließlich hatte ich nicht vor doch schon Freitag wieder zu Hause zu sein. Ich wollte das geplante Wochenende nicht einfach so aufgeben.
Im Straßenkinderheim von Gitega leben 13 Jungs mit ihrem Betreuer. Dort habe ich das Wochenende verbracht. Freitag war ich zuerst im Körperbehindertenheim von Schwester Candida. Den Kindern dort hatte ich ja auch versprochen noch einmal wieder zukommen. Sie haben sich sehr gefreut. Den Nachmittag habe ich damit verbracht die ganzen Felder der Schwestern zu besichtigen. 4 Stunden sind wir durch die Gegend gefahren und gewandert bis ich alles gesehen habe. Dabei hat Candida die Arbeiter/innen bezahlt. Ich habe das erste Mal in meinem Leben gesehen wie Ananas wachsen! Voll krass, ich hatte keine Vorstellung wie das aussieht. Ihr müsst euch mal vorstellen, die Menschen arbeiten für 800 FBU den ganzen Tag in der prallen Sonne!!! 800FBU sind ungefähr 50 Cent!!
Abends habe ich dann mit den Jungs im Heim Karten gespielt. Samstag nach den „traveaux communautaire“ (von acht Uhr bis zehn Uhr muss die Stadt sauber gemacht werden) bin ich mit Thérence auf den Markt gegangen um ihnen einen Basketball zu kaufen. Die haben sich tierisch gefreut und der Ball wurde natürlich am Nachmittag sofort eingeweiht. Somit haben wir den restlichen Tag mit Basketball- und Fußballspielen verbracht. Gestern Mittag bin ich dann mit zwei Freunden aus Bujumbura, die auch in Gitega waren, wieder nach Hause gefahren. Es war eine aufregende und schöne Reise und ich bin jetzt noch müde davon…
Letzte Woche, bevor wir gefahren sind, habe ich zusammen mit Clauthilde ein neues Projekt angefangen. Wir sind auf die Straße gegangen und haben mit den Straßenkids geredet um herauszufinden wie sie leben und woher sie kommen. Warum sie auf der Straße sind und wie man ihnen helfen könnte. Dazu schreibe ich euch aber ein anderes Mal mehr. Das ist zu viel um es jetzt noch an diesen Bericht anzuhängen. Nur so viel: ich freue mich riesig auf dieses Projekt, weil es etwas ganz neues und spannendes ist. Ich muss dafür richtig unter die Menschen und wir können damit ca. 50 Straßenkindern eine neue Perspektive verschaffen!!!
hi Nadine,
bin mal wieder auf Deiner Seite!
Ich freue mich, dass Dir die Ananas in meinem Feld geschmeckt haben.
Gruß aus Tönisvorst