Weihnachten dieses Jahr war mal was ganz anderes. Angefangen habe ich am 24 in dem neuen Heim in der Stadt danach waren wir in Kanyosha bei den Straßenkids weiter ging es am 25. in Uranderera. Dank der vielen Spenden von zu Hause konnten wir den Kindern ein wunderschönes Fest ermöglichen. Es gab Fleisch, Bananen, Sombe und Reis mit Soße. Bei den Straßenmädchen habe ich morgens Kleidung, Schuhe, Süßigkeiten und ein bisschen Geld verteilt, sodass sie über Weihnachten zu ihren Eltern fahren konnten. Es sind mittlerweile 15 Mädels in dem Haus. Sie haben sich riesig gefreut und für mich getanzt und einen Sketch aufgeführt. In Birashoboka gab es ebenfalls Klamotten und Schuhe und zusätzlich haben wir Regenschirme für den langen Schulweg gekauft sowie Schaukeln bauen lassen. Wir haben nicht mit den Kids dort gegessen, sondern nur alles verteilt. Das Festmahl gab es erst am 25. als wir zu Hause gefeiert haben. In Birashoboka leben 130 Kids. Es hat eine Ewigkeit gedauert bis alle ihre Sachen hatten. Wir haben immer 5 Kinder auf einmal in den Raum gelassen. Ruth hat einen super Türsteher abgegeben, Kerstin und Luisa haben Bonbons verteilt, Philipp war natürlich Fotograf und ich habe die Kleider sortiert. Trotzdem wären wir ohne Bienvenu den Heimleiter aufgeschmissen gewesen. Der Mann hat es echt drauf die Bande in Schach zu halten.
Abends haben wir freiwilligen uns alle mit Verena und Benoit im Chez Andre getroffen. Wir waren eingeladen zum gemütlichen Weihnachtsessen. Es gab schöne Geschenke die alle auf einem festlich geschmückten Tisch für uns bereit lagen. Nach diesem gemütlichen Beisammensein sind wir gegen Mitternacht zu einer Weihnachtsparty aufgebrochen und haben den Tag mit Tanzen ausklingen lassen. Leider ging es Kerstin nicht so gut, sie hatte eine Magenverstimmung. Am nächsten Tag haben wir dann noch mal eine ganz liebe Dankes-SMS von den Straßenjungs bekommen. Sie waren wirklich sehr glücklich. In Uranderera ging es dann am 25. doch etwas besinnlicher und festlicher zu. Wir haben schon Tage vorher das Wichteln vorbereitet. Alle 70 Kinder haben einen Namen gezogen und für dieses Kind im Chez Andre ein Paket zusammengestellt. Dazu sollte jeder ein Bild malen und wir haben noch Schokolade dazu gepackt. Gegen Mittag haben wir dann alles schön geschmückt. Die Tische mit Laternen, Sternen und Tischdecken versehen und die selbstgebackenen Plätzchen verteilt. Richtig los ging das Fest mit leckerem Essen, dann wurden Geschenke verteilt. Wir haben immer einen Wichtel nach dem anderen aufgerufen, der dann sein Geschenk dem jeweiligen Kind überreicht hat. Da war was los!!! Wenn ein Mädchen einem Jungen oder ein junge einem Mädchen ein Geschenk gegeben hat waren alle ganz aus dem Häuschen und haben losgebrüllt. Alle haben dann geklatscht und gejubelt. Nachdem alle Geschenke verteilt waren haben die Mädchen getanzt und gesungen in ihren Festlichen Gewändern. Die Party ging danach noch weiter bis ca. 21 Uhr. Leider folgte dann ein Stromausfall und somit auch einen Musikausfall….Dieses plötzliche Ende konnte der Stimmung trotzdem keinen Abbruch tun, alle sind zufrieden ins Bett gegangen.
Gestern am 26.12 hatten wir dann endlich mal wieder richtiges Strandwetter. Eigentlich wollten wir die Jungs in Kamenge und Jabe besuchen. Die strahlende Sonne hat uns dann doch unsere Pläne ändern lassen. Wir haben alle eingesammelt und sind mit dem Bus zum Strand gefahren. Es war ein wunderschöner lustiger Tag den die Jugendlichen sichtlich genossen haben. Es kommt ja nicht so oft vor, dass sie zum Strand kommen. Der Bus ist für sie einfach zu teuer. Heute ist Kerstins Mama angekommen. Sie bleibt zwei Wochen und wird auch am Samstag mit uns bei den Mamas in Kamenge Weihnachten feiern. Ich war noch in Kanyosha und werde gleich bei uns zu Hause mit den Kindern und Soleil (einer jungen Frau die eigentlich im Chez Andre arbeitet) singen. Soleil bringt ihnen Lider bei die sie am Sonntag in der Kirche vortragen werden. Morgen werde ich hoffentlich noch mal ein bisschen weiter kommen mit den Straßenmädels und Gespräche mit ihren Müttern führen.
So ihr lieben dann wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 2008, wir werden im Chez Andre feiern. Es findet eine Party statt. Es werden um die 200 Leute erwartet. Lasst es krachen, bis dahin
Eure Nadine
Frohe Weihnachten und Guten Rutsch ins Jahr 2008!
Dezember 18, 2007
Heute ziehen die Straßemädels endlich in das neue Haus. Letzte Woche haben wir fleißig dort gearbeitet. Angestrichen, sauber gemacht und Sachen für den Haushalt gekauft. Ein Teil der Mädels soll so schnell wie möglich wieder zu ihren Familien gebracht werden. Das ist leider schwieriger als gedacht. Zum einen wollen die Mütter ihre Kinder gar nicht, weil sie wissen das sie bei uns im Heim gut aufgehoben sind und ihnen dadurch arbeit erspart wird. Zum anderen wollen die Kinder auch gar nicht zu Hause bleiben. In Buterere waren wir zwar letzte Woche zunächst erfolgreich doch sind jetzt schon wieder zwei von den Mädels die wir zu ihren Müttern gebracht haben ins Heim zurückgekommen. Wir haben den Müttern Geld und Kleider da gelassen und ihnen erklärt wie wir helfen wollen, dass ab Januar die Micro-Kredite laufen. Leider scheint alles reden nichts genützt zu haben. Aber man darf sich eben nicht so schnell endmutigen lassen. Wenigstens sind die Kinder wieder zu uns gekommen und nicht wieder auf die Straße gegangen. Wir werden dran bleiben und weitere Gespräche mit den Familien führen.
Eine von den Mamas hat mich besonders betroffen gemacht. Ihre Tochter haben wir nicht in Buterere gelassen. Chantal ist 12 Jahre alt und noch nie zur Schule gegangen, sie ist genau wie ihre Mutter sehr abgemagert. Wir haben beschlossen sie mir zurück ins Heim zu nehmen, damit sie bei uns eine Ausbildung anfangen kann. Sie hat noch 5 Geschwister und ihre Chancen für die Zukunft wären gleich null wenn wir sie zu Hause lassen würden. Ihre Mutter sollte natürlich trotzdem bei unserem letzten Besuch Unterstützung bekommen. Sie tauchte erst auf, als wir schon aufbrechen wollten. Sie war völlig betrunken. In solchen Fällen weiß man einfach nicht was man machen soll. Da ist die Armut so groß und dann wird das bisschen was man hat noch versoffen. Ich dachte eigentlich immer das Problem hätten wir nur in der westlichen Welt… Naja so kann man sich täuschen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage wie wir mit dieser Frau weiter arbeiten können. Geld kann man ihr keins geben. Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.
Am Donnerstag ist Philipp angekommen, die Kinder haben sich riesig gefreut ihn zu sehen. Er bleibt bis Anfang Januar, ich hoffe er kann in der Zeit hier einiges bewegen. Ist schon komisch, ich kann mich noch so gut an den Tag erinnern als die anderen abgereist sind und jetzt ist er schon wieder da. Die Zeit vergeht einfach so wahnsinnig schnell!
Am Samstag haben wir mit den Kindern im Heim bei uns zu Hause Plätzchen gebacken. Es hat wunderbar geklappt und die süßen hatten so viel Spaß. Sogar die Jungs haben fleißig mitgemacht und wollten gar nicht mehr raus aus der Küche. Wir haben die Kinder in kleine Gruppen eingeteilt, weil unsere kleine Küche nur platzt für 7 Kinder auf einmal bietet. Jede Gruppe hat ein Blech belegt und dekoriert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: wunderschöne bunte und sogar leckere Plätzchen!!
Also dann wünsche ich euch allen schöne Weihnachten und kommt gut ins neue Jahr 2008!!
Eure Nadine
2.12.07
Martina ist am Donnerstag wieder nach Hause geflogen. Sie hat die knappe Woche bei uns damit verbracht die verschiedenen Projekte zu besuchen, Pläne für neue Projekte zu machen und mit Verena alles Wichtige zu besprechen. Heute Abend kommt dann schon wieder neuer Besuch. Luisa eine neue Feiwillige landet heute Abend um 20 Uhr.
Das Haus in der Stadt ist leider noch nicht fertig. Ich muss mich noch eine Woche gedulden bis wir dort loslegen können.
Diese Woche haben wir den Adventskalender aufgehängt. Er ist wirklich schön geworden. Die Kinder haben sich auch sehr gefreut, auch wenn es nicht ganz einfach ist sie daran zu hindern ihr Paket schon sofort aufzumachen. Aber mittlerweile scheinen sie schon zu verstehen, dass jeder mal dran ist und sie keinen Grund haben eifersüchtig zu sein. Außerdem haben wir im Straßenkinderheim aus Pappmaché Sterne gemacht die wir nächste Woche bunt anmalen wollen. Danach werden wir sie an der Decke im Essraum aufhängen um es dort auch ein bisschen schöner zu machen. Heute Morgen waren wir alle zusammen mit beim Fußball von Imani. Unsere Mädels haben als erste gespielt aber leider ist es nur unentschieden ausgegangen.
5.12.07
Heute Morgen war ich mit Verena bei einer Versammlung von UNICF. Dort wurden verschiedene Projekte analysiert und die Planung für das Jahr 2008 aufgestellt. Ich habe mich sehr gefreut dass ich dort mit hingehen konnte. Es ist mal was ganz anderes die theoretische Seite zu sehen und mit zubekommen wie die verschiedenen Organisationen ihre Projekte managen und was sie für Erfahrungen in der praktischen Arbeit machen. Im Großen und Ganzen sind die Erfahrungen ähnlich, was mir zeigt, das die Probleme, die während der Ausführung der Projekte auftreten, nicht auf persönliche Fehler zurückzuführen sind, sondern auf eine noch nicht ausreichend ausgearbeitete Planung aller Organisationen. Leider mangelt es halt immer wieder an qualifiziertem Personal. Dabei ist meiner Meinung die schulische Qualifikation an sich nicht so wichtig wie der gesunde Menschenverstand und das richtige Gespür. Die Erziehung der Kinder und ihre Autonomisierung können durchaus von „einfachen“ Personen ohne psychologische o.ä. Ausbildung stattfinden, wenn diese genug Engagement und Motivation mitbringen. Es ist noch lange nicht selbstverständlich das Kinder, die mehrere Jahre in einem Heim gelebt haben und im Alter von 18 Jahren diesen Schutzraum verlassen, den Sinn dieser Hilfe verstanden haben. Man hat sich in dieser Zeit um sie gekümmert, ihnen einen Platz zum Schlafen und Essen gegeben, sie zur Schule geschickt, aber wenn sie dann plötzlich alleine da stehen ist es nicht selten so, dass sie wieder in ihr Leben vor dem Heim zurückkehren. Das liegt häufig daran, dass ihnen in der ganzen Zeit nicht vermittelt wurde was sie aus ihrem Leben machen können und das man es versäumt hat die fehlende Erziehung nachzuholen und ihr Selbstbewusstsein gezielt zu stärken. Das Leben in einem Heim sollte dem eines Familienlebens sehr nahe sein, was bedeutet das man sie während der Zeit im Heim erzieht, als Ansprechpartner zur Verfügung steht und sich ihrer Probleme annimmt. Sie sollen nicht einfach nur einen Aufenthaltsort, sondern ein Zuhause haben. Das bedeutet auch die Kinder nach dieser Zeit weiter zu betreuen und sie nicht einfach sich selbst zu überlassen. Man muss ihnen Perspektiven eröffnen und sie ermuntern etwas aus ihrem Leben zu machen. Das ist genau das was wir versuchen. Die Aufgabe der Freiwilligen im Heim ist es unter Anderem, den Heimleitern zu vermitteln, das sie für die Kinder als engste Bezugspersonen gelten und sie dementsprechend begleiten müssen. Das Verständnis von Familie, wie wir es verstehen, existiert hier meistens nicht. Zudem begleitet die Fondation auch diejenigen, die für die Heime zu alt werden auf ihrem Weg ins Arbeitsleben sind, indem kleine Häuser für Wohngemeinschaften bis zu 8 Personen gemietet werden. Die jungen Erwachsenen leben dort alleine, versorgen sich mit Hilfe der Fondation selbst und werden regelmäßig von Betreuern besucht.
So das war mal ein etwas anderer Eintrag, das nächste Mal erzähle ich euch dann wieder mehr über die Sachen die wir mit den Kindern gemacht haben!
Nikolaus
Ihr lieben ich hoffe ich hattet einen schönen 6. Dezember. Ich habe dieses Jahr dann mal auf meinen Schokonikolaus verzichtet…*g*
Heute morgen waren Ruth und ich im Kindergarten und haben vorher auf dem Markt Obst und Gemüse gekauft. Vollbeladen gings dann mit etwas Verspätung hinauf nach Sororezo. Den Kindern haben wir abwechselnd die Augen verbunden und sie mussten erraten mit was sie da gefüttert werden. Zu unserer Überraschung ging es sehr zivilisiert zu und am Ende haben wir dann Alles verteilt. Die haben sich riesig gefreut und sogar die Paprika verschlungen. Dabei weiß ich genau dass die so was eigentlich nicht so gerne essen, jedenfalls zu Hause im Heim nicht. Danach habe ich mit Kerstin gewaschen, jedes Mal wieder ein Aufwand und alles was man davon hat sind Blasen an den FingernL. Heute Nachmittag haben wir Rose im Krankenhaus besucht. Sie hat zu wenig Blut und bekommt Transfusionen. Morgen kommt sie aber wieder nach Hause. Leider finden die Ärzte hier nicht die Ursache für ihren Blutmangel. Ich hoffe die noch ausstehenden Tests bringen Klarheit.