dies und das 2

Januar 21, 2008

Ich weiß es ist mal wieder was länger her das ich mich melde…

Ich bin im Moment ziemlich beschäftigt, weil wir in einem der ärmsten Stadtteile Bujumburas angefangen haben die Microkredite zu verteilen. Außerdem haben wir die Straßenmädchen eingeschult und das Büro in Buterere eingerichtet. Dieses Büro soll eine Anlaufstelle für die Menschen dort sein. So können wir auf der einen Seite verfolgen wie die Frauen mit dem Geld umgehen, das sie von uns bekommen und auf der anderen Seite haben sie immer Ansprechpartner vor Ort.

Gestern haben wir den verregneten Tag für eine Bastelaktion mit den Kindern genutzt. Die Kinder freuen sich immer riesig wenn sie mit Kleber und Scheren arbeiten könne.

Heute Morgen war wieder Kindergartentag in Sororezo. Kerstin und ich sind wie immer mit dem Motorrand hochgefahren. Das ist immer ne Aktion, erstmal sind die Straßen so super schlecht und dann kam uns heute zu allem Überfluss noch ne recht große Herde Kühe entgegen. Slalom um große Steinbrocken und um verschreckte Kühe und dann noch voll gepackt mit Material für die Kinder…wir haben den Kindern Bauklötze, Ballspiele und Seifenblasen mitgebracht. So konnten wir die Gruppe aufteilen und hatten nicht alle 60 Kinder auf einmal um uns rum springen.

Letzte Woche haben wir Zuwachs im Heim bekommen. Eine ziemlich traurige Geschichte. Eine Frau aus Kamenge meldete sich beim Radio um eine Durchsage machen zulassen. Sie suchte die Mutter eines kleinen jungen, der seit fast zwei Tagen bei ihr sei. Seine Mutter hatte diese Frau gebeten auf ihren Sohn aufzupassen solange sie ihre Einkäufe erledigt. Anstatt, wie vereinbart den Jungen später abholen zu komme ließ sich die Mutter jedoch nicht mehr Blicken. Der Radiosender berichtete über diesen Vorfall. Dennoch gab es keine Hinweise auf den Verbleib der Mutter. Kenny (er ist anderthalb Jahre alt) wurde dann zu uns ins Heim gebracht, da die Nachbarin selber sehr arm ist um sich um ihre eigenen Kinder kümmern muss. Am nächsten Tag standen plötzlich ein Mann und zwei Frauen bei uns im Hof. Der Chef des Viertels Kamenge, die Nachbarin und die Mutter von Kenny. Man hatte die Mutter ausfindig gemacht, doch sie schien sich keineswegs darüber zu freuen. Als ich sie in das Zimmer zu ihrem Sohn brachte wollte sie ihn noch nicht mal auf den Arm nehmen. Nach endlos langem hin und her einigten wir uns darauf, das sie zusammen mit dem kleinen, bei uns bleiben könnte bis wir eine Lösung für ihre Probleme gefunden haben würden. Es ist so, dass diese Mutter eigentlich selber noch ein Kind ist. 16 Jahre, von ihrer Familie verstoßen und vom Vater des Kindes ignoriert. Sie beteuerte immer wieder, dass sie zu arm wäre, sie würde ihren Sohn nicht haben wollen, er solle doch bei uns bleiben und wir könnten ihn ja von irgendjemand adoptieren lassen. Es dauerte keine wie Tage und die Mutter war mitsamt einigen Anziehsachen unserer Mädchen verschwunden. Kenny hatte sie bei uns gelassen. Erst als die beklauten Mädels die Mutter einen Tag später wieder einschnappten einigte sie sich auf einen Kompromiss. Sie ließ uns ihre Adresse und die Namen ihrer Angehörigen da und unterzeichnete selber eine Einverständniserklärung, dass ihr Sohn bei uns bleiben soll. Jetzt haben wir also ein neues Kind ohne Eltern die sich kümmern. Ich kann euch sagen davon gibt es hier viel zu viele. Ein Großteil der Menschen hier sieht einfach keinen Sinn darin seine Kinder zu behalten. „Sollen sich doch andere kümmern, dann bin ich die Sorge los“. Es ist ja richtig dass die Geschichte von Kennys Mama nicht besonders glücklich angefangen hat, aber immerhin haben wir ihr Hilfe angeboten, die es ihr ermöglichen sollte ihr Kind selber aufzuziehen. Wir hoffen ja, dass sie vielleicht irgendwann zu Vernunft kommt, sie weiß ja wo sie ihren Sohn finden kann. Die ganze Geschichte, mit ausführlichen Hintergrundinfos, haben wir natürlich festgehalten. Es ist nicht immer leicht so einen Fall zu behandeln. Es gibt zu viele Leute die einem Schwierigkeiten machen können oder Beschuldigungen vorbringen die nicht gerechtfertigt sind.

So außerdem habe ich mit Kerstin in Kamenge im Mutter-Kind-Heim die Schaukel aufgestellt, unsere Ziege hat Babys bekommen, wir waren gestern Abend chinesisch essen, es regnet jetzt wieder fast jeden Tag und ich düse jetzt los nach Buterere.
Bye bye

2 Antworten zu “dies und das 2”

  1. Elke Krause-Dattler sagte

    Hallo Nadine,
    habe gerade die traurige Geschichte des kleinen Kenny gelesen und bin überzeugt, dass er es bei euch, im Heim, besser hat als bei seiner Mutter, die anscheinend auch völlig überfordert ist mit einem kleinen Kind.Vielleicht meldet sich ja irgendwann ihr Mutterherz.
    Schön, das du über deine Arbeit schreibst, so bist du nicht ganz so weit weg.
    Liebe Grüße
    Elke

  2. Julia sagte

    Ach NAdine,
    es ist wirklich traurig sowas wieder zu lesen und man weiß nicht ob man gelichzeitig wütend sein soll oder nicht!
    Noch was anderes! Ich hoffe es ist ok, dass wir bald kommen, Lena und ich! Wir wollen euch auf keinen FAll auf der TAsche liegen und euch bei euren SAchen herein reden! Nur die KIds besuchen und Zeit mit ihnen verbringen!
    Wie geht es dir mit dem Gedanken, bald Abschied nehmen zu müssen? Sicher nicht besser als uns?!
    Ich ruf bald mal wieder an- bei mir ist es immer nur so schwierig, wenn ich in Berlin bin hab ich keinen Möglichkeit dazu!
    SEi lieb gedrückt und grüß all die anderen- bis bald die Julia!

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