Mein letzter Eintrag
Wir haben zum Abschied letzte Woche mit den Kindern zu Hause Eis gegessen und getanzt. Am nächsten Tag ist Luisa abgeflogen. Wir haben die Gelegenheit genutzt und zusammen etwas zum Abschied für die Kinder gekauft. Das Glück habe ich leider bei den Straßenjungs nicht, deswegen werde ich heute Abend einfach nur gemeinsam mit ihnen essen und mich ganz ruhig verabschieden. Lena und Julia sind letzte Woche angekommen, sie bleiben 4 Wochen. Sie waren vor mir hier und haben mir bei meiner Ankunft geholfen mich einzufinden. Dieses Mal war es an mir ihnen die neuen Heime und meine Arbeit zu zeigen. Wir hatten sogar Glück mit dem Wetter, sodass ich zwei Tage mit ihnen am Strand in der Sonne sein konnte.
Aber natürlich habe ich mich nicht nur ausgeruht. Die letzten tage habe ich weiterhin in Buterere gearbeitet und auch einen behinderten Straßenjungen nach Hause begleitet. Er heißt Evarist und war im Oktober einer der ersten Straßenjung mit denen wir in Kontakt getreten sind. Er ist 18 Jahre alt und wohnt in Bujumbura Rural. Sein Dorf liegt hoc in den Bergen hinter der Stadt. Mit dem Taxi mussten wir 40 Minuten fahren um dann zu Fuß weiter zu gehen. Evarist war einen Monat bei uns im Heim und hat dort die Schneiderausbildung angefangen. Nach Weihnachten ist er allerdings nicht wieder aufgetaucht und ich hatte die Hoffnung ihn wieder zu sehen schon aufgegeben. Vor drei Wochen habe ich ihn dann auf dem Weg in die Stadt wiedergesehen. Ich habe ein wenig mit ihm gequatscht und wir haben uns für den nächsten Tag im Heim verabredet. Da erzählte er mir , dass er jetzt Körbe aus einer Art Schilf herstellt um sie dann an einen festen Kunden in der Stadt zu verkaufen. Das Material kauft er nahe der grenze um Kongo. Ich habe ihn gefragt wie wir ihn unterstützen könnten und wir haben uns darauf geeinigt, dass Verena ihm das Material für zwei Monate bezahlt. Er kann in einem Monat um die 20000 Fbu verdienen wenn es gut läuft. Und da er mit unserer Hilfe reinen Gewinn erzielen kann wird er danach sein kleines Geschäft vergrößern können. Außerdem besteht im Sommer für ihn die Möglichkeit andere Körperbehinderte in Gitega auszubilden und ein festes Gehalt zu bekommen. Das klappt nur wenn Unicef das Projekt unterstützt, deswegen muss er diesbezüglich noch etwas warten. Am Freitag sind wir dann zusammen mit seinem Bruder und Bienvenu zu ihm nach Hause gefahren, um die Materialien dort abzuliefern. Ein weiteres kleines Abenteuer auf meiner Liste. Zunächst einmal ist die Landschaft dort oben so wunderschön das ich nur staunen konnte. Palmen und Bananenfelder soweit das Auge reicht und dann auch noch der Blick auf die Stadt und den Tanganyikasee dahinter. Zu Fuß Sind wir dann in ein Tal hinunter geklettert. Evarist meinte die ganze Zeit „wir sind gleich da, unser Haus ist da vorne“…nach 30 Minuten waren wir dann auch tatsächlich da. Ich konnte nur staunen wie schnell und scheinbar leicht er mit nur einem Bein über Stock und Stein vorankommt. Er lebt mit seiner Mutter und 6 Geschwistern in einer kleinen Hütte am Hang der Berge. Für sich selbst will er bald ein kleines Häuschen unterhalb des Grundstücks der Mutter bauen. Er hat schon eine Fläche geebnet ihm fehlt nun noch das Geld für den Bau. Das Stückchen Land hat er von seiner Mutter geschenkt bekommen. Sie pflanzte dort vorher Bohnen an. Nach einem kurzen Gespräch mit der Familie und Nachbarn haben wir uns auf den Weg zurück gemacht. Der Aufstieg hat uns alle ganz schön geschafft und zu allem Überfluss hat es auch noch angefangen zu regnen. Oben angekommen erwarteten uns nicht so erfreuliche Nachrichten. Einige Mitglieder Rebellengruppe FNL hatten den Taxifahrer angesprochen um Geld von ihm zu kassieren. Dazu muss ich sagen, dass die FNL eigentlich überall um Bujumbura in den Bergen Schutzgelder kassiert von Leuten die dort hochfahren oder dort arbeiten. Auch in Sororezo und in Kajaga muss Verena Geld bezahlen damit sie uns in Ruhe lassen. Es gibt sogar richtige Quittungen über den bezahlten Betrag. Naja dort oben arbeitet Verena aber nicht und deswegen mussten wir bezahlen. Eigentlich bezahlt man, wenn man mit dem Auto kommt 15000 Fbu. Die meinten dann zum Taxifahrer „wenn du nicht bezahlst lassen wir dich mit deinem Muzungu nicht mehr zurück“. Wir haben dann ein bisschen verhandelt und sie haben sich damit zufrieden gegeben, dass wir ihnen ne Cola ausgeben. Naja ich kann mir auch nicht erklären wie das funktioniert hat, aber ist ja auch mal ganz nett. Danach sind wir schnell ins Taxi eingestiegen und haben uns auf den Weg Richtung Buja gemacht. Heute habe ich als Dankeschön von Evarist einen kleinen Korb bekommen, den ich in Deutschland in meine Wohnung stellen kann.
Gestern war ich das letzte Mal in Buterere. Jedenfalls dachte ich es wäre das letzte Mal, aber wir hatten so viel zu tun das ich mir gar nicht vorstellen kann morgen früh nicht wieder hinzufahren. Unter anderem lief die kleine Pamele, die wir letzte Woche nach Hause gebracht haben am Büro vorbei. Sie war völlig apathisch und hat und nicht wieder erkannt. Von ihrer Mutter war keine Spur. Als wir sie regelrecht „eingefangen“ hatten war klar, dass sie wieder gefallen war. Sie hatte eine schlimme Verletzung am Kinn und das ganze Kleid war voll getrocknetem Blut. Ihre Mutter scheint sich absolut nicht zu kümmern. Auf der einen Seite kann ich verstehen, dass sie überfordert ist. Sie hat noch drei andere Kinder und sie arbeitet. Sie kann auch nicht ständig aufpassen dass Pamela in ihrem Wahn wegläuft oder bei einem epileptischen Anfall böse stürzt. Auf der anderen Seite denke ich, muss sie zumindest darauf achten, dass das Kind sauber und versorgt ist. Wir haben dann beschlossen sie wieder mit zunehmen. Im Büro hat sie dann 5 Minuten ruhig gesessen und ist dann von einem neuen Anfall verkrampft vom Stuhl gefallen. Es war das erste Mal für mich so etwas zu sehen, ich habe mich ziemlich machtlos gefühlt. Später hat sie den ganzen Weg zurück im Taxi geschlafen. Heute schon hat sie ständig nach ihrer Mutter gefragt, ich hoffe wir finden eine Lösung ihren Wünschen und ihre Sicherheit gleichermaßen gerecht zu werden.
Hallo Nadine!
C’est Caroline, la Muzungu qui venait aider les enfants pour les devoirs! As-tu un mail où je pourrais t’écrire?? Je suis partie très vite de Buja en Janvier, je vais t’expliquer.
J’espère que tout va bien pour toi, et les enfants…
Gros bisoux
Caroline
voici mon mail:
carobenoit@gmail.com